{"id":164,"date":"2020-08-28T12:04:17","date_gmt":"2020-08-28T10:04:17","guid":{"rendered":"http:\/\/suedbayern.humanistische-union.de\/http-suedbayern-humanistische-union-de-preis_aufrechter_gang-2016-laudatio_auf_bernhard_anton_raubal\/"},"modified":"2021-08-30T15:44:51","modified_gmt":"2021-08-30T13:44:51","slug":"http-suedbayern-humanistische-union-de-preis_aufrechter_gang-2016-laudatio_auf_bernhard_anton_raubal","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/suedbayern.humanistische-union.de\/preis_aufrechter_gang\/preis_aufrechter_gang-2016\/http-suedbayern-humanistische-union-de-preis_aufrechter_gang-2016-laudatio_auf_bernhard_anton_raubal\/","title":{"rendered":"Laudatio auf Bernhard Anton Raubal"},"content":{"rendered":"<p>28.09.2016<\/p>\n<div>\n<div class=\"csi-imagewrap\">\n<dl class=\"csi-image\">\n<dt><a href=\"http:\/\/suedbayern.humanistische-union.de\/preis_aufrechter_gang\/2016\/laudatio_auf_bernhard_anton_raubal\/\"><span class=\"migrated-image\"><img decoding=\"async\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAAAAAP\/\/\/ywAAAAAAQABAAACAUwAOw==\" fifu-lazy=\"1\" fifu-data-sizes=\"auto\" fifu-data-srcset=\"https:\/\/i3.wp.com\/suedbayern.humanistische-union.de\/typo3temp\/pics\/49b847c575.jpg?ssl=1&w=75&resize=75&ssl=1 75w, https:\/\/i3.wp.com\/suedbayern.humanistische-union.de\/typo3temp\/pics\/49b847c575.jpg?ssl=1&w=100&resize=100&ssl=1 100w, https:\/\/i3.wp.com\/suedbayern.humanistische-union.de\/typo3temp\/pics\/49b847c575.jpg?ssl=1&w=150&resize=150&ssl=1 150w, https:\/\/i3.wp.com\/suedbayern.humanistische-union.de\/typo3temp\/pics\/49b847c575.jpg?ssl=1&w=240&resize=240&ssl=1 240w, https:\/\/i3.wp.com\/suedbayern.humanistische-union.de\/typo3temp\/pics\/49b847c575.jpg?ssl=1&w=320&resize=320&ssl=1 320w, https:\/\/i3.wp.com\/suedbayern.humanistische-union.de\/typo3temp\/pics\/49b847c575.jpg?ssl=1&w=500&resize=500&ssl=1 500w, https:\/\/i3.wp.com\/suedbayern.humanistische-union.de\/typo3temp\/pics\/49b847c575.jpg?ssl=1&w=640&resize=640&ssl=1 640w, https:\/\/i3.wp.com\/suedbayern.humanistische-union.de\/typo3temp\/pics\/49b847c575.jpg?ssl=1&w=800&resize=800&ssl=1 800w, https:\/\/i3.wp.com\/suedbayern.humanistische-union.de\/typo3temp\/pics\/49b847c575.jpg?ssl=1&w=1024&resize=1024&ssl=1 1024w, https:\/\/i3.wp.com\/suedbayern.humanistische-union.de\/typo3temp\/pics\/49b847c575.jpg?ssl=1&w=1280&resize=1280&ssl=1 1280w, https:\/\/i3.wp.com\/suedbayern.humanistische-union.de\/typo3temp\/pics\/49b847c575.jpg?ssl=1&w=1600&resize=1600&ssl=1 1600w\" class=\"migrate-image\" fifu-data-src=\"https:\/\/i3.wp.com\/suedbayern.humanistische-union.de\/typo3temp\/pics\/49b847c575.jpg?ssl=1\"><\/span><\/a><\/dt>\n<dd class=\"csi-caption\">\n<p class=\"csc-caption\">copyright Humanistische Union<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<\/div>\n<div class=\"csi-text\">\n<p class=\"bodytext\">Lieber Bernhard Raubal, sehr geehrte Gastgeber und Gastgeberinnen von der Humanistischen Union, sehr geehrte G&auml;ste,\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">die Ank&uuml;ndigung, dass der Preis &bdquo;Aufrechter Gang&ldquo; der Humanistischen Union dieses Jahr an dich vergeben wird, Bernhard, hat den Menschen in deiner Heimatstadt noch einmal die Auseinandersetzungen um den G7 Gipfel auf Schloss Elmau im letzten Sommer in Erinnerung gerufen. Die &Uuml;berraschung war gro&szlig;. Der Raubal bekommt einen Preis f&uuml;r Zivilcourage? Auch die Journalistin des Garmischer Tagblatts, Katharina Romberger, die &uuml;ber deine Nominierung berichten sollte, schien einige M&uuml;he gehabt zu haben, das Ganze zu verstehen. Sie schrieb in ihrem Artikel: &bdquo;Zivilcourage. Ein gro&szlig;es Wort. Ein wichtiges in einer Gesellschaft, der man gerne Gleichg&uuml;ltigkeit, Ignoranz und eine Haltung des Wegschauens unterstellt. Und eines, bei dem man nicht sofort an einen Garmisch-Partenkirchner denkt, der gegen eine Art Aufwandsentsch&auml;digung auf einer Fl&auml;che von 7000 Quadratmetern Demonstranten n&auml;chtigen l&auml;sst.&ldquo; Sie lie&szlig; in ihrem Artikel offen, was sie eigentlich unter Zivilcourage versteht. Auf der Webseite der Humanistischen Union zur Erl&auml;uterung des Preises wird es so beschrieben: Zivilcourage zeigen Menschen &bdquo;die das Handeln des Staates und anderer gesellschaftlicher Organe nicht kritiklos hinnehmen und durch ihr Handeln den Geist des Grundgesetzes verteidigen&ldquo;. Ein Auflehnen der B&uuml;rgerInnen gegen staatliche Autorit&auml;t ist offenbar auch im 21. Jahrhundert immer noch f&uuml;r viele Menschen in diesem Land eine abenteuerliche Idee, die vor allem nichts mit Zivilcourage zu tun hat. Die Vorstellung, widerst&auml;ndiger Geist und widerst&auml;ndiges Handeln w&auml;ren wichtig und sogar notwendig, um eine demokratische Kultur am Leben zu erhalten und wachsen zu lassen, fehlt nicht nur der Obrigkeit. Sie ist allgemein nicht gerade weit verbreitet. Es ist eben noch nicht lange her, da gab es in den Schulzeugnissen noch Kopfnoten f&uuml;r gutes Betragen.\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Viele Monate vor dem G7 Gipfel in der oberbayerischen Bergidylle auf Schloss Elmau wurde von den verantwortlichen Politikern und Politikerinnen massiv die Angst in der Bev&ouml;lkerung gesch&uuml;rt und vor den anreisenden Berufsdemonstranten und Chaotinnen gewarnt. Wir w&uuml;rden kommen, um Garmisch in Schutt und Asche zu legen. Landr&auml;te wurden angewiesen daf&uuml;r zu sorgen, dass den Protestierenden keine Grundst&uuml;cke f&uuml;r ein Camp zur Verf&uuml;gung gestellt werden. Landwirte wurden dazu aufgerufen, potenzielle Campfl&auml;chen durch das Ausbringen von G&uuml;lle unbrauchbar zu machen. Der Phantasie, wie Protestcamps verhindert werden k&ouml;nnten, waren keine Grenzen gesetzt. Es wurde gezielt und mit allen Mitteln ein Klima der Angst erzeugt. Und das hat durchaus gewirkt. AnwohnerInnen, mit denen wir uns w&auml;hrend der Protesttage unterhalten haben, haben uns erz&auml;hlt, dass es nicht wenige Menschen in Garmisch gibt, die dieses Gipfeltreffen sehr kritisch gesehen und abgelehnt haben. Dass sie aber Angst haben, das laut oder &ouml;ffentlich zu sagen. Sie haben uns nicht genau gesagt, was passieren w&uuml;rde, wenn sie ihre Bedenken, ihre Kritik oder auch nur ihre &bdquo;andere Meinung&ldquo; &ouml;ffentlich formulieren. Welche Konsequenzen das f&uuml;r sie h&auml;tte. Aber es war klar: wer hier &bdquo;in Ruhe&ldquo; weiter leben will, der h&auml;lt lieber den Mund.\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Und dann ist genau das eingetreten, was Frau Meierhofer und Herr Herrmann bef&uuml;rchtet hatten und eigentlich verhindern wollten: das einer nicht strammsteht, dass einer aus der Reihe tanzt, dass einer seinen eigenen Kopf zum Denken benutzt, seine eigene Meinung hat und danach auch handelt. Du, Bernhard, hast dich diesen Aufrufen, diesem Klima der Einsch&uuml;chterung widersetzt und hast deine Wiese f&uuml;r das G7-Protest-Camp zur Verf&uuml;gung gestellt! Als du einen Bericht im Fernsehen gesehen hast, in dem ein bayerischer B&uuml;rgermeister die Landwirte aufforderte jetzt zusammenzuhalten, damit die sogenannten Quertreiber &bdquo;kein St&uuml;ck Land und keinen Stadl kriegen f&uuml;r irgendwelche Zusammenk&uuml;nfte&ldquo;, haben sich dir die Nackenhaare aufgestellt. Am gleichen Abend hast du mit dem Protestb&uuml;ndnis &bdquo;Stopp G7-Elmau&ldquo; Kontakt aufgenommen und deine Wiese an der Loisach zur Verf&uuml;gung gestellt. Du wolltest ein Zeichen setzen, du wolltest zeigen, dass die kleinen Leute aufbegehren k&ouml;nnen. &bdquo;Ich will nicht nur Ja und Amen zu allem sagen&ldquo;, hast du uns erz&auml;hlt. &bdquo;Die Zeit, die ich noch lebe, will ich nutzen, ich will Sand im Getriebe sein, nicht nur &Ouml;l.&ldquo;\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Das hast du letztes Jahr mit deiner Entscheidung getan. Du warst Sand im Getriebe und hast es ordentlich knirschen lassen. Der Gastwirt von der &ndash; ehemaligen &#8211; Partenkirchener Gamsh&uuml;tte hatte damit den Herren und Damen in der Landesregierung einen geh&ouml;rigen Strich durch ihre Gipfelbewirtungsrechnung gemacht. Du hast aber vor allem 1000 unerw&uuml;nschten Gipfelg&auml;sten die M&ouml;glichkeit gegeben, ein von der Verfassung dieses Landes garantiertes Grundrecht wahrzunehmen: das der Versammlungsfreiheit. W&auml;re es nach den Vorstellungen von Ministerpr&auml;sident Seehofer oder Innenminister Herrmann, von Mittenwalds B&uuml;rgermeister Hornsteiner oder der Garmischer B&uuml;rgermeisterin Meierhofer gegangen, h&auml;tten wir uns sonstwo treffen und demonstrieren k&ouml;nnen, aber nicht in der N&auml;he des Schlosses in Elmau. (Und dabei waren wir auch so noch einige Kilometer entfernt!) Ihre Rechnung war ganz simpel: wenn niemand einen &Uuml;bernachtungsplatz in Garmisch findet, kommt auch niemand zum Protestieren und Demonstrieren. F&uuml;r alle F&auml;lle und entgegen der vorherigen Beteuerungen hatten sie trotzdem noch einen ordentlichen Zaun quer &uuml;ber die H&uuml;gel und rund um das Schloss gezogen. F&uuml;r alle F&auml;lle hatten sie auch zehntausende PolizistInnen auf alle Turnhallen und Pensionen der Gegend verteilt. Fast alle Park-und Sportpl&auml;tze hatten sie mit R&auml;umpanzern, Wasserwerfern und Mannschaftswagen zugeparkt. Letztendlich wurde genau das gemacht, was SicherheitsexpertInnen und Innenministerien in solchen F&auml;llen inzwischen scheinbar ganz selbstverst&auml;ndlich zu tun pflegen:\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Sie schalten in eine Art Notstandsmodus und rufen einen politischen und polizeilichen &bdquo;Ausnahmezustand&ldquo; aus. Rote Zonen werden definiert, die nur betreten darf, wer von der Polizei die Erlaubnis bekommt. Elementare Rechte werden suspendiert oder so weit eingeschr&auml;nkt, dass sie faktisch aufgehoben sind. Die polizeiliche Logik bestimmt und erlaubt, wann, wo und in welcher Form Versammlungen stattfinden d&uuml;rfen. Aufenthaltsverbote werden verf&uuml;gt, Grenzkontrollen werden eingef&uuml;hrt, Stra&szlig;ensperren und Gefangenensammellager mit Schnellgerichten eingerichtet. Es ist die zumindest tempor&auml;re Herrschaft eines Polizeistaats. Das gilt &uuml;brigens nicht nur f&uuml;r die Tage des Protests und des Gipfels. Es kamen junge Menschen aus Garmisch zu uns ins Camp, die uns erz&auml;hlten, wie sie zuvor wochenlang auf der Stra&szlig;en immer wieder von der Polizei bei &bdquo;verdachtsunabh&auml;ngigen Kontrollen&ldquo; angehalten, durchsucht und schikaniert worden sind.\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Als wir Monate vor dem Gipfel die Gemeinden Garmisch, Mittenwald und Kr&uuml;n aufgefordert haben, uns Fl&auml;chen f&uuml;r ein Camp zur Verf&uuml;gung zu stellen, haben sie uns geradezu verh&ouml;hnt. Das Recht auf freie Versammlung beinhalte doch nicht &bdquo;Vollpension samt &Uuml;bernachtung und Fr&uuml;hst&uuml;ck&ldquo;&nbsp; (Originalton von SPD-B&uuml;rgermeisterin Meierhofer). Warum eigentlich nicht? Um es mit deinen Worten zu sagen, Bernhard: &bdquo;Die Politiker sind doch die Leute, die unsere Interessen vertreten sollen. Die sind von uns gew&auml;hlt worden, nicht von denen, mit denen sie sich da oben auf dem Schloss treffen wollen. Die m&uuml;ssen sich doch dann auch mit unserem Protest abgeben.&ldquo; Was spricht eigentlich dagegen, dass in einer demokratischen Gesellschaft die Protestgruppen den gleichen Etat f&uuml;r ihre Camps und Demonstrationen aus den allgemeinen Steuermitteln zugewiesen bekommen, wie den, den die Regierenden f&uuml;r ihren Gipfel veranschlagen?\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Uns h&auml;tte sogar schon ein Bruchteil der 300 Millionen Euro, die der G7-Gipfel gekostet hat, gereicht, um alle unsere Freundinnen und Freunde aus dem In- und Ausland einzufliegen, zu beherbergen und zu verk&ouml;stigen. Aber von solchen Verh&auml;ltnissen sind wir leider noch weit entfernt. Diejenigen, die sich im Augenblick zur Wahl stellen, wollen sich nicht gerne bei ihrer Arbeit st&ouml;ren lassen.\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Statt dessen haben sie uns bei unseren Vorbereitungen behindert, wo es nur ging. Der letzte, durchaus phantasievolle Versuch, das Protestcamp auf deiner Wiese zu verhindern, wurde vom Landratsamt Garmisch-Partenkirchen mit einer geradezu verwegenen Verbotsverf&uuml;gung unmittelbar vor den Gipfeltagen unternommen. Diese Verf&uuml;gung wurde dann allerdings &#8211; sogar schon in erster Instanz &#8211; vom Verwaltungsgericht M&uuml;nchen wieder aufgehoben. Zu abwegig und juristisch nicht haltbar waren die zusammengest&uuml;ckelten Begr&uuml;ndungen. Das Landratsamt behauptete, dass solche Camps der Ausgangspunkt f&uuml;r gewaltt&auml;tige Ausschreitungen sein w&uuml;rden. Gleichzeitig gab das Landratsamt vor, das Leben und die Gesundheit der KrawallmacherInnen durch ein Campverbot sch&uuml;tzen zu wollen, weil ein Hochwasser das Camp an dieser Stelle im Garmischer Martinswinkel wegsp&uuml;len k&ouml;nnte. Diese so offensichtlich an den Haaren aus dem Loisach-Wasser herbeigezogenen Argumente lie&szlig;en das Gericht kalt. Die Aufhebung des Camp-Verbots hat sichtbar gemacht, dass die Zust&auml;ndigen im Landratsamt bisher noch nicht wissen, wie solche Verbote juristisch wasserdicht ausgefertigt werden. Sie konnten e wohl einfach nicht besser. Wahrscheinlich ist das einem Mangel an Erfahrung geschuldet. Und vielleicht auch der selbstherrlichen Gewi&szlig;heit, dass ein Amt einfach etwas verf&uuml;gt und damit ist die Sache dann erledigt. Na gut, woher sollten sie die Erfahrung auch haben? Wann ist jemals ihre Selbstherrlichkeit ersch&uuml;ttert worden?\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">F&uuml;r das Landratsamt, f&uuml;r die Staatsregierung und f&uuml;r den Planungsstab der Polizei jedenfalls war die gerichtliche Aufhebung des Camp-Verbots ein gravierender und v&ouml;llig unerwarteter Betriebsunfall. Uns verschaffte es die M&ouml;glichkeit, unseren Protest wenigstens halbwegs dahin zu bringen, wo er hingeh&ouml;rt.\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Der Umgang der Regierungsstellen, der Verwaltung, der Exekutive mit den demokratischen Rechten der Menschen offenbart ein zutiefst undemokratisches und autorit&auml;res Verst&auml;ndnis von gesellschaftlichen Prozessen. Der G7-Gipfel sollte &bdquo;reibungslos&ldquo; verlaufen und ungest&ouml;rt von Menschen, die diese demokratisch nicht legitimierten Foren ablehnen. Unter dem Vorwand, das Treffen der Regierungschefs der sieben reichsten und m&auml;chtigsten L&auml;nder der Erde zu &bdquo;sch&uuml;tzen&ldquo;, sollte buchst&auml;blich um jeden Preis verhindert werden, dass Menschen zusammenkommen und ihre eigenen Vorstellungen von einer gerechten und menschenw&uuml;rdigen, von einer besseren Welt formulieren. Ein Camp ist so ein Ort. Er wird von den Menschen die sich hier treffen selbst organisiert. Wir &uuml;berlegen gemeinsam, wie wir hier &ndash; f&uuml;r kurze Zeit &#8211; zusammen leben wollen. Wir k&uuml;mmern uns gemeinsam darum, dass f&uuml;r alle etwas zu essen und ein Platz zum Schlafen da ist. Wir diskutieren miteinander und nat&uuml;rlich planen wir hier auch gemeinsam manche Aktionen. Das Camp in Garmisch war so ein Ort. Ohne dich und deine Wiese, Bernhard, h&auml;tte es ihn nicht gegeben.\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Deine Entscheidung, ich habe es vorhin schon erw&auml;hnt, war spontan und emotional. Das ist etwas, was zu dir geh&ouml;rt, was dich ausmacht. Du hast gelernt, Entscheidungen zu treffen und dann auch zu diesen Entscheidungen zu stehen. Du bist jemand, der Verantwortung &uuml;bernehmen kann und nicht wegl&auml;uft, wenn es dann m&uuml;hsam wird. Das wei&szlig; niemand besser als deine Freunde. Als Jugendlicher hast irgendwann begonnen, Motocross zu fahren.\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Du hast selber schwere Unf&auml;lle gehabt, aber du hattest Gl&uuml;ck, denn du bist mit dem Leben und einem leidlich wieder zusammengeflickten K&ouml;rper davon gekommen. Du hast aber auch erlebt, wie es deinen Freund beim Motocross-Fahren gerissen hat. Er hatte nicht so viel Gl&uuml;ck ist seitdem querschnittsgel&auml;hmt. Jahrelang hast du dich um ihn gek&uuml;mmert, du hast bei seiner Pflege geholfen, ihm neue Mobilit&auml;t verschafft, indem du ihn regelm&auml;&szlig;ig nach M&uuml;nchen gefahren hast. Du hast der Pfennigparade Geld gespendet, weil du dankbar warst, dass sie deinem Freund durch viel Training und F&uuml;rsorge wieder zu einem kleinen bi&szlig;chen mehr Selbst&auml;ndigkeit verholfen haben. Auch das Behindertenzentrum in Farchant hast du mit Geld unterst&uuml;tzt und ihnen einen Kleinbus geschenkt. Du bist ein Mensch, der im richtigen Moment zupackt, der im richtigen Moment einfach da ist und seine Unterst&uuml;tzung anbietet. So haben wir dich letztes Jahr auch kennengelernt.\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Das Leben in Garmisch ist f&uuml;r dich seit dem letzten Sommer nicht gerade leichter geworden. In so einer kleinen Stadt gibt es keine Anonymit&auml;t. Es hat massive Anfeindungen gegen dich gegeben. Dazu geh&ouml;ren auch die platten Reifen an deinem Auto. &bdquo;Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz&ldquo;, hast du das lakonisch kommentiert. Deine Entscheidung, die eigene Wiese f&uuml;r das Camp zur Verf&uuml;gung zu stellen hast du deshalb aber nicht bedauert: &bdquo;Ich treffe eine Entscheidung und dazu steh ich dann. Und wenn mich dann jemand anredt, sag ich, &#8218;ja, okay, das ist deine Meinung, die respektiere ich. Aber ich verlange auch, dass du meine Meinung respektierst.&#8217;&ldquo; Ich verstehe das so: Aufrechter Gang ist eine Frage der Haltung. Und wer diese Haltung einnimmt, w&uuml;nscht sich die gleiche Haltung auch von den anderen Menschen. Dann kann man sich auf Augenh&ouml;he begegnen.\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Dieser aufrechte Gang ist dem Menschen nicht in die Wiege gelegt. Jede und jeder muss ihn erst lernen. Das kannst du t&auml;glich bei deinen Kindern beobachten, Bernhard. &bdquo;Ich versuche ihnen vor allem Anerkennung und Verst&auml;ndnis zu geben. Ich m&ouml;chte, dass sie ihren eigenen Weg finden&ldquo;, hast du mir gesagt. Um das zulassen zu k&ouml;nnen, m&uuml;ssen Eltern Vertrauen in ihre Kinder haben. Um die Kinder ihren eigenen Weg finden zu lassen, m&uuml;ssen Eltern vor allem die jeweiligen St&auml;rken und F&auml;higkeiten der eigenen Kinder sehen und auch wertsch&auml;tzen k&ouml;nnen. Diese Wertsch&auml;tzung hast du nicht immer bekommen. Auf dem Hof deiner Gro&szlig;eltern in der Holledau hast du bereits als neunj&auml;hriger Bub in den Ferien bei der Hopfen- und Spargelernte mitgearbeitet. Von deinem Gro&szlig;vater hast du zwar ein Taschengeld, Lob und auch Anerkennung bekommen. Von deinen Eltern bekamst du das nicht. &bdquo;Das war schon eine eigenartige Erziehung&ldquo;, meintest du dazu, als wir neulich bei dir in der K&uuml;che zusammensa&szlig;en. Ich bin sicher, dass deine tiefe Abneigung gegen autorit&auml;re Obrigkeiten schon in dieser Zeit entstanden ist. Und ich bin froh, dass du deinen eigenen Weg gefunden hast, auch wenn es mitunter ein schmerzhafter und bitterer Weg f&uuml;r dich gewesen ist. Du warst das schwarze Schaf der Familie und bist es auch heute noch. Als du letztes Jahr deine Wiese an uns verpachtet hast, hatte niemand in deiner Familie Verst&auml;ndnis daf&uuml;r, im Gegenteil!\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Dein Weg ist der eines Einzelg&auml;ngers. Du hast dann auch als Kind nicht einen gew&ouml;hnlichen Sport angefangen, einen Mannschaftssport wie Fu&szlig;ball zum Beispiel: Du hast dich f&uuml;r das Ringen entschieden. Es ist ein Sport, der Ausdauer und Beweglichkeit verlangt, auch Kraft und Geschicklichkeit. Ringen ist aber noch mehr. Genau so wichtig wie k&ouml;rperliche Kraft ist die innere Ruhe. Das Beobachten, dem Gegner in die Augen zu schauen um zu wissen, was er gleich machen wird. Und fest mit beiden Beinen auf dem Boden stehen zu bleiben. &bdquo;Ich lass mich nicht mehr von anderen aus dem Gleichgewicht bringen&ldquo; meintest du neulich. Und daf&uuml;r sind wir dir letztes Jahr sehr dankbar <br \/>Ich m&ouml;chte nicht, dass der Eindruck entsteht, Bernhard Raubal w&auml;re der einzige Mensch in Garmisch gewesen, der uns unterst&uuml;tzt hat. Es gab auch andere, die solidarisch waren und uns gefragt, oder auch ungefragt geholfen haben. Ich m&ouml;chte die Frauen des katholischen Sozialdienstes erw&auml;hnen, die jeden Tag in ihren dunkelroten Sch&uuml;rzen in unser Camp gekommen sind, mit Blechen mit warmen Strudel. Ein alter Mann mit Zwirbelschnurrbart in Tracht, der uns am Donnerstag einen Plastikbeutel mit Wurst und Brot vorbeigebracht hat. Eine junge Mutter, die am Freitag auf dem Fahrrad zur Demonstration kam und den Kinderanh&auml;nger vollgeladen hatte mit zwanzig Wasserflaschen f&uuml;r uns. Die PassantInnen, die wir am Samstag Vormittag fragten wo wir 50 Paletten f&uuml;r die Gro&szlig;zelte herbekommen k&ouml;nnten, weil ein Gewitter im Anzug war. Drei Telefonate und zwei Stunden sp&auml;ter bekamen wir sie geliefert. Es haben sich Menschen bei uns gemeldet, die uns Schlafpl&auml;tze bei sich zu Hause angeboten haben.\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Der Preis &bdquo;Aufrechter Gang&ldquo;, der Kaktus, wie er von manchen genannt wird, geht dieses Jahr nach Garmisch, wo diese Menschen leben. Wir alle wissen, dass der Kaktus keine endemische Pflanze in Oberbayern ist. Er ist eine W&uuml;stenpflanze, die Wasser speichert um sehr lange Zeit in der D&uuml;rre &uuml;berleben zu k&ouml;nnen. Stachelig, hartn&auml;ckig und ausdauernd. Ich hoffe, dass der Kaktus in den Bergen des Karwendel heimisch wird, dass er Wurzeln schl&auml;gt, bl&uuml;ht, und sich unkontrolliert vermehrt. Ich hoffe auch, dass dieser Preis zur Verbreitung einer widerst&auml;ndigen Kultur beitr&auml;gt, rund um den Martinswinkel an der Loisach und weit &uuml;ber die Alpen hinaus. Ich wei&szlig;, dass du ein achtsamer H&uuml;ter des Kaktus sein und ihn gut pflegen wirst, Bernhard. Er ist bei dir in guten H&auml;nden.\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Ich danke Ihnen f&uuml;r Ihre Aufmerksamkeit!\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><i>York Runte<\/i>\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"bodytext\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><a href=\"http:\/\/suedbayern.humanistische-union.de\/preis_aufrechter_gang\/2016\/ankuendigung_und_begruendung\/#5243\">Ank&uuml;ndigung und Begr&uuml;ndung<\/a>\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><a href=\"http:\/\/suedbayern.humanistische-union.de\/preis_aufrechter_gang\/2016\/einladung\/#5452\">Einladung und Programm<\/a>\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><a href=\"http:\/\/suedbayern.humanistische-union.de\/preis_aufrechter_gang\/2016\/begruessung\/#5271\">Begr&uuml;&szlig;ung durch Dr. Hansj&ouml;rg Siebels-Horst<\/a>\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><a href=\"http:\/\/suedbayern.humanistische-union.de\/preis_aufrechter_gang\/2016\/\">Festakt<\/a>\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>28.09.2016 copyright Humanistische Union Lieber Bernhard Raubal, sehr geehrte Gastgeber und Gastgeberinnen von der Humanistischen Union, sehr geehrte G&auml;ste, die Ank&uuml;ndigung, dass der Preis &bdquo;Aufrechter Gang&ldquo; 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