{"id":166,"date":"2020-08-28T12:04:17","date_gmt":"2020-08-28T10:04:17","guid":{"rendered":"http:\/\/suedbayern.humanistische-union.de\/laudatio_auf_dr_winfried_maier\/"},"modified":"2021-08-30T15:44:51","modified_gmt":"2021-08-30T13:44:51","slug":"laudatio_auf_dr_winfried_maier","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/suedbayern.humanistische-union.de\/preis_aufrechter_gang\/preis_aufrechter_gang-2002\/2002-2\/laudatio_auf_dr_winfried_maier\/","title":{"rendered":"Laudatio f\u00fcr Dr. Winfried Maier"},"content":{"rendered":"<p>28.12.2002<\/p>\n<div>\n<div class=\"csi-imagewrap\">\n<dl class=\"csi-image\">\n<dt><a href=\"http:\/\/suedbayern.humanistische-union.de\/preis_aufrechter_gang\/2002\/laudatio_auf_dr_winfried_maier\/\"><span class=\"migrated-image\"><img decoding=\"async\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAAAAAP\/\/\/ywAAAAAAQABAAACAUwAOw==\" fifu-lazy=\"1\" fifu-data-sizes=\"auto\" fifu-data-srcset=\"https:\/\/i3.wp.com\/suedbayern.humanistische-union.de\/typo3temp\/pics\/19edc32477.jpg?ssl=1&w=75&resize=75&ssl=1 75w, https:\/\/i3.wp.com\/suedbayern.humanistische-union.de\/typo3temp\/pics\/19edc32477.jpg?ssl=1&w=100&resize=100&ssl=1 100w, https:\/\/i3.wp.com\/suedbayern.humanistische-union.de\/typo3temp\/pics\/19edc32477.jpg?ssl=1&w=150&resize=150&ssl=1 150w, https:\/\/i3.wp.com\/suedbayern.humanistische-union.de\/typo3temp\/pics\/19edc32477.jpg?ssl=1&w=240&resize=240&ssl=1 240w, https:\/\/i3.wp.com\/suedbayern.humanistische-union.de\/typo3temp\/pics\/19edc32477.jpg?ssl=1&w=320&resize=320&ssl=1 320w, https:\/\/i3.wp.com\/suedbayern.humanistische-union.de\/typo3temp\/pics\/19edc32477.jpg?ssl=1&w=500&resize=500&ssl=1 500w, https:\/\/i3.wp.com\/suedbayern.humanistische-union.de\/typo3temp\/pics\/19edc32477.jpg?ssl=1&w=640&resize=640&ssl=1 640w, https:\/\/i3.wp.com\/suedbayern.humanistische-union.de\/typo3temp\/pics\/19edc32477.jpg?ssl=1&w=800&resize=800&ssl=1 800w, https:\/\/i3.wp.com\/suedbayern.humanistische-union.de\/typo3temp\/pics\/19edc32477.jpg?ssl=1&w=1024&resize=1024&ssl=1 1024w, https:\/\/i3.wp.com\/suedbayern.humanistische-union.de\/typo3temp\/pics\/19edc32477.jpg?ssl=1&w=1280&resize=1280&ssl=1 1280w, https:\/\/i3.wp.com\/suedbayern.humanistische-union.de\/typo3temp\/pics\/19edc32477.jpg?ssl=1&w=1600&resize=1600&ssl=1 1600w\" class=\"migrate-image\" fifu-data-src=\"https:\/\/i3.wp.com\/suedbayern.humanistische-union.de\/typo3temp\/pics\/19edc32477.jpg?ssl=1\"><\/span><\/a><\/dt>\n<\/dl>\n<\/div>\n<div class=\"csi-text\">\n<p class=\"bodytext\">von Michael Stiller\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Sehr geehrter Herr Maier, sehr geehrte Frau Maier, sehr geehrte Gastgeber von der Humanistischen Union und auch vom Gasteig, sehr geehrte Damen und Herren,\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">ich w&uuml;rde gerne hinzuf&uuml;gen: sehr geehrter Herr Justizminister, aber er ist nicht da. Nein, er ist wirklich nicht da, der Herr Minister, wenn schon einmal einer seiner Top-Juristen geehrt wird. Das kommt ja nicht jeden Tag vor, dass einer, der zur&uuml;ckgezogen als Staatsanwalt gearbeitet hat, &ouml;ffentlich geehrt wird. Die Politiker, hei&szlig;t es, haben noch ein Gesp&uuml;r f&uuml;r Termine. Die Presse ist da und ein Publikum, wie es die Politik im Regelfall nicht zusammenbekommt. Dieser Termin hier w&auml;re auch wichtig. Winfried Maier hat n&auml;mlich nicht nur vorbildlich seine Arbeit getan, er hat auch etwas bewegt. &#8222;Da war doch dieser Staatsanwalt in Augsburg&#8220; sagen seit einiger Zeit selbst nicht so eingeweihte Leute, wenn die Rede auf das spektakul&auml;re Verfahren rund um Waffenhandel, Steuerhinterziehung, Parteispenden und politische Machenschaften kommt. Eine bessere Reklame f&uuml;r die Justiz, die immer wieder neu an ihrem Bild im unserem Gemeinwesen arbeiten muss, gibt es eigentlich nicht. Weil die Leute aber auch meistens hinzuf&uuml;gen, &#8222;den haben sie doch fertig gemacht bis er Richter geworden ist&#8220;, wird die PR-Aktion zugunsten der Justiz gleich wieder abgeschw&auml;cht. Dass einer nicht nur gut gearbeitet, sondern dabei auch Vertrauen in die Justiz geschaffen hat, die durchaus beabsichtigte Karriere nicht in der Staatsanwaltschaft fortsetzen durfte, hebt das vorher gesagte nicht auf, aber es erzeugt einen eklatanten Widerspruch. So wie es kaum besseres f&uuml;r die Justiz gibt, wenn sie sich als das pr&auml;sentiert, das sie im besten Sinn der Verfassung sein soll, n&auml;mlich als eine der tragenden S&auml;ulen unseres Gemeinwesens und als Bollwerk gegen jedwede sachfremde Einflussnahme, von wem auch immer, so gibt es nichts schlechteres f&uuml;r die Rechtsprechung und die Strafrechtspflege, wenn andere Repr&auml;sentanten des Systems den g&uuml;nstigsten Eindruck, der erzeugt wurde, dadurch zunichte machen, dass sie mit plumper Hand in das sensible R&auml;derwerk eingreifen oder den, der rechtschaffen seine Arbeit tut, versteckt und offen diskriminieren, disziplinieren, ja gar aus seinem T&auml;tigkeitsbereich abdr&auml;ngen. Genau damit haben wir es heute, hatten wir es in den letzten Jahren zu tun. Und deshalb w&auml;re es auch gar nicht schlecht, n&auml;hme auch der Herr Justizminister, n&auml;hme der Herr Generalstaatsanwalt, n&auml;hme der Herr Fraktionsvorsitzende, n&auml;hme der Herr Ministerpr&auml;sident, n&auml;hme wer auch immer mit diesem Thema zu tun hat von dieser Ehrung Kenntnis. Und es ist sch&ouml;n, dass der Untersuchungsausschuss, der wesentliche Dinge herausgef&ouml;rdert hat aus dieser Geschichte, hier durch Frau Tausendfreund und ich glaube auch, durch mehrere Mitarbeiter, die in diesem Ausschuss mitgearbeitet haben, vertreten ist. Es geht immerhin um so elementare Grunds&auml;tze wie Gewaltenteilung, Unabh&auml;ngigkeit der Justiz und um den Aufrechten Gang, der im Grundgesetz oder der Bayerischen Verfassung zwar nicht expressis verbis als Standardbewegung f&uuml;r Demokraten vorgeschrieben ist, wohl aber, genauere Lekt&uuml;re legt das zwingend nahe, doch als die richtige Gangart auch f&uuml;r Staatsdiener empfohlen wird. Wenn also doch jemand im Publikum sein sollte, der an die politische Spitze in Bayern oder auch im Bund zu berichten hat, dann m&ouml;ge er gut aufmerken in dieser Feierstunde. Wenn die Leute sagen, &#8222;da war doch dieser Staatsanwalt in Augsburg&#8220;, dann meinen sie auch einen Mann, der J&ouml;rg Hillinger hei&szlig;t. J&ouml;rg Hillinger war der Vorgesetzte von Winfried Maier, der Vorgesetzte eines Teams, das sich 1995 dieses Falles angenommen hat und er war ein Mann, von dem ich als Journalist ebenso gro&szlig;en Respekt hatte. Leider muss ich in der Vergangenheit sprechen, denn J&ouml;rg Hillinger ist 1999 auf dem H&ouml;hepunkt dieser Aff&auml;re, um die es hier auch geht, an den Folgen eines Unfalls gestorben. Um seinen Tod haben sich R&auml;tsel gerankt, die will ich hier nicht vertiefen. Ich wei&szlig; nur, dass J&ouml;rg Hillinger, auch ein Vertreter des Aufrechten Ganges, in dieser Zeit beruflich aufs &auml;u&szlig;erste belastet war, gesundheitlich gerade angeschlagen war. Und er war nicht wegen seiner eigenen fachlichen Arbeit so angespannt, sondern wegen der unendlichen Auseinandersetzungen, die es rund um diesen Fall immer wieder gegeben hat. Und wenn die Leute sagen &#8222;da war doch dieser Staatsanwalt in Augsburg&#8220;, dann meinen sie eigentlich auch das Team, das seit 1995 an diesem Fall gearbeitet hat. Winfried Maier ist zwei Jahre sp&auml;ter &#8211; glaube ich &#8211; einbezogen worden, und wurde dann zum &#8222;Vater&#8220; dieses spektakul&auml;ren Falls. Aber auch seine Vorl&auml;ufer haben ordentlich und gewissenhaft versucht, ihre Arbeit zu tun. Damals gab es auch einen Justizminister, der Sorge getragen hat daf&uuml;r, dass dieses Verfahren in den geordneten Bahnen blieb. Er war sehr gut bekannt mit J&ouml;rg Hillinger und die zwei haben sich gegenseitig vertraut, eine Situation, die der Preistr&auml;ger des heutigen Abends so nicht vorgefunden hat. Und Sie sehen daraus auch, der Aufrechte Gang ist nicht unbedingt eine Sache von Parteilichkeit und Richtungen, sondern den gibt es &uuml;berall und er ist &uuml;berall zu f&ouml;rdern. Es w&auml;re kurzsichtig, zu sagen, wir h&auml;tten es hier mit einem symptomatischen bayerischen Geschehnis zu tun. Wir k&uuml;mmern uns hier in Bayern jeder in seinem Beruf um diese Dinge; der Staatsanwalt mit seinen Akten, der Journalist mit seinen Geschichten. Aber, wenn Sie &uuml;berlegen, aus der aktuellen Situation heraus, wie die Pr&auml;vention dieses Vorganges gewirkt hat, der ja eine unglaubliche Publizit&auml;t erlangt hat: Sie k&ouml;nnen, wenn Sie heute die Tagesschau sp&auml;t abends anschauen, sehen, wie einer, der in diesen Fall auch schon involviert war, der eine wichtige Rolle in der FDP spielt, exakt zu der selben Zeit, als seine Partei mit Fingern auf diesen Vorgang zeigte, Sachen gemacht hat, die genau dem entsprechen, was kritisiert worden ist: Spenden gest&uuml;ckelt, Geld angeh&auml;uft, illegal ausbezahlt usw. Und eine gr&ouml;&szlig;ere Partei hat es auch nicht besser gemacht, sondern sie hat in Nordrhein-Westfalen in verschiedenen St&auml;dten ebenfalls mit Spenden operiert, dass es zu Verfahren gef&uuml;hrt hat. Und deswegen hat der Aufrechte Gang bei den Politikern offensichtlich eine verz&ouml;gernde Haltung. Das Team wird erg&auml;nzt durch einen Mann, mit dem Winfried Maier in der Steuerfahndung Augsburg ad&auml;quat zusammenarbeiten konnte: Winfried Kindler, der unglaubliche Erkenntnisse, unglaubliche analytische F&auml;higkeiten in diesen sehr, sehr diffizilen Fall eingebracht hat, der Geheim-Skripte zugeordnet hat, der Rechnungen und Bilanzen und Geldfl&uuml;sse nachvollzogen hat, wo Leute &#8211; Herr Maier hat es vor einem Untersuchungsausschuss mal gesagt &#8211; mit einer Swift-Taste ihre Geldstr&ouml;me in Bewegung setzen, mit den Mitteln eines bayerischen Staatsbeamten nachzuverfolgen, was in dieser einen Sekunde weltweit mit Geldstr&ouml;men passiert ist. Das m&uuml;ssen Sie sich mal vorstellen, das ist wie wenn Sie mit einem &auml;lteren Mountainbike einem Gel&auml;ndewagen hinterher fahren, in steilem Gel&auml;nde. Und trotzdem wissen wir alle, dass die Vorg&auml;nge und die Ermittlungen und die Ergebnisse dazu gef&uuml;hrt haben, dass Herr Maier vor seinem Wechsel 2000 in die Richterstelle eine fundierte Anklage fertiggestellt hat, dass diese Anklage zugelassen worden ist, dass zwei Verfahren vor einem unabh&auml;ngigen Gericht bereits mit Verurteilungen geendet haben, die nicht rechtskr&auml;ftig sind &#8211; das muss man dazu sagen &#8211; in der aber die Arbeit der Staatsanwaltschaft eindrucksvoll best&auml;tigt worden ist, wie ich das von au&szlig;en her sehe. Und deswegen ist es auch nicht wahr, was ich immer wieder hier aus dem Justizministerium geh&ouml;rt habe, dass der ermittelnde Staatsanwalt etwa aus pers&ouml;nlichem Antrieb ein gro&szlig;es Rad geschlagen und seine Beh&ouml;rde in ein Abenteuer gehetzt habe, das noch &#8222;b&ouml;s enden&#8220; w&uuml;rde; so hat mir das ein Spitzenbeamter erkl&auml;rt. Das ist widerlegt. Und wenn die Leute sagen &#8222;sie haben ihn fertig gemacht&#8220;: Das ist das einzige, was eigentlich nicht stimmt. Winfried Maier hat man nicht fertigmachen k&ouml;nnen, obwohl ich glaube, dass er eine &auml;u&szlig;erst schwere Zeit gehabt hat, wo es ihm vielleicht manchmal leichter gefallen w&auml;re, sich in die Haltung zu begeben, die leider viele seiner Kollegen einnehmen und sagen &#8222;was soll&#8217;s, was soll ich mich hier auflehnen, mach&#8216; ich halt das, was von mir verlangt wird&#8220;.Und deswegen geh&ouml;rt zu diesem Team sicherlich auch jemand, den man dann am Abend sieht, wo man Ausgleich findet, wo man sprechen kann, wo man sich auch mal fallen lassen kann. Ich glaube, ohne Frau Maier w&auml;re unser Preistr&auml;ger in diesen Zeiten schlecht gefahren und ein Teil dieses Preises geb&uuml;hrt auch ihr. Winfried Maier ist also ein bisschen auch pars pro toto, wenn er heute diesen Preis entgegen nimmt. Er hatte Begleiter, die sich ebenfalls nicht ducken lassen und er hat durch sein mannhaftes Auftreten daf&uuml;r gesorgt, dass die unsichtbaren H&auml;nde &uuml;ber dem Verfahren, die ab 1999 massiv zu sp&uuml;ren waren, verschwunden sind. Er hat es damit seinen Nachfolgern erm&ouml;glicht, in Ruhe dieses Verfahren weiter zu bearbeiten. Sie wissen, es hat zu einer weiteren Anklage bereits gef&uuml;hrt, die vor der Zulassung steht. Sie betrifft den Spross einer in Bayern nicht unbekannten Politikerfamilie und dieser Beschuldigte d&uuml;rfte m&ouml;glicherweise auch der Mittelpunkt des ganzen &Auml;rgers gewesen sein, denn f&uuml;r zwei Thyssen-Manager pr&uuml;gelt man sich in Bayern nicht lange, die kommen aus Preu&szlig;en oder Nordrhein-Westfalen, oder wie auch immer. Aber &#8222;ein Strau&szlig; geht nicht vor Gericht&#8220; hat Max mal gesagt und &#8222;das wollen wir doch mal sehen&#8220;. Ich muss Ihnen sagen, dass ich eine Laudatio halten darf &uuml;ber einen Mann, den ich eigentlich kaum kenne. Zwischen Journalisten und Staatsanw&auml;lten gibt es ein Spannungsverh&auml;ltnis. Beide ermitteln auf ihre Art und Weise. Die Justiz hat es nat&uuml;rlich viel leichter, die kann Akten beschlagnahmen, das d&uuml;rfen wir noch nicht. Andererseits hat&#8217;s die Justiz schwerer, weil sie wird &#8211; im Gegensatz zu einem Journalisten, wenn er in einem guten Haus ist &#8211; beaufsichtigt, dienstrechtlich v&ouml;llig einwandfrei. Es ist &uuml;brigens auch nicht wahr, dass sich Herr Maier gegen die Dienstaufsicht aufgelehnt h&auml;tte. Herr Maier kennt &#8211; glaube ich &#8211; wie jeder Jurist und besser noch wie die meisten auch dieses Spannungsverh&auml;ltnis mit der Rechtsaufsicht, die verschiedenen Stufen der Remonstration. Und man hat seiner Aussage im Untersuchungsausschuss durchg&auml;ngig entnehmen k&ouml;nnen, dass es ihm nicht darum gegangen ist, innerhalb der Justiz Amok zu laufen oder sich zu produzieren. Worauf er bestanden hat war, g&uuml;ltiges Recht anzuwenden, auch beim Remonstrationsrecht, einem sehr komplizierten Recht, beim Weisungsrecht. Was man ihm aber zugemutet hat, war, Weisungen nicht schriftlich abzufordern, sondern gut zuzuh&ouml;ren und umzusetzen, was man oben gesagt hat. Das steht nirgendwo geschrieben. Die Herrschaften, die Anweisungen geben, sollen sich dazu bekennen, so sieht es unser System vor, dann ist es in den Akten oder in den Handakten, es muss nicht im Prozess aufgebl&auml;ttert werden, aber im Zweifelsfall kann man dann darauf zur&uuml;ck kommen, wenn die Sache schief geht, oder wie es in diesem Fall den Anschein hatte, sich der Vorposten einer Regierung bem&uuml;&szlig;igt f&uuml;hlt, einzugreifen in Gestalt eines Generalstaatsanwalts. Ich sag&#8216; das hier mit aller Vorsicht. Und dieses Spannungsverh&auml;ltnis Presse \/ Justiz, von dem ich gesprochen habe, f&uuml;hrt nat&uuml;rlich dazu, dass wir Journalisten den ermittelnden Staatsanwalt in Ruhe lassen. Wir haben in Bayern eine gar nicht so unvern&uuml;nftige Absprache, dass Anfragen im Grunde immer der Dienststellenleiter beantwortet. Deshalb waren die Kontakte mit Winfried Maier w&auml;hrend der Arbeit an diesen F&auml;llen &auml;u&szlig;erst sp&auml;rlich: mal ein kleines Gespr&auml;ch, in dem man eine Orientierungshilfe kriegt, wie ein Verfahren l&auml;uft oder eine Rechtsfrage, was man er&ouml;rtern darf. Aber ich komme zu einem Punkt, der auch nicht wahr ist und der dieser Staatsanwaltschaft in Augsburg unglaubliche Schwierigkeiten bereitet hat, an denen wir Journalisten z.T. mit Schuld sind. Man versuchte immer zu erkl&auml;ren, Indiskretionen im &ouml;ffentlichen Raum, Geschichten, die in den Zeitungen standen, stammten aus dieser Staatsanwaltschaft und inmitten dieser Verd&auml;chtigungen stand nat&uuml;rlich der ermittelnde Hauptstaatsanwalt, der Gruppenleiter und seine Kollegen. Und da schon geschildert worden ist, dass ich relativ nahe an diesem Fall war und ich auch meinen Informantenschutz sehr genau nehme, aber nicht so genau, dass ich nicht sagen k&ouml;nnte, was nicht war, kann ich auch hier noch mal wiederholen: Die Staatsanwaltschaft Augsburg generell war f&uuml;r mich als Journalist und ich glaube auch f&uuml;r alle anderen, weil ich nie eine Sonderverbindung gesehen habe, &auml;u&szlig;erst unergiebig. Da war nichts zu holen. Die Leute im Justizministerium und in der Partei, die das immer behauptet haben, die wissen das auch. Die ahnen genau, wie solche Aktenstr&ouml;me laufen, wer an so was Interesse haben kann. Wir waren froh dar&uuml;ber, wir hatten gute Geschichten, ich will das gar nicht verhehlen, dass der Reiz der Neuigkeit an diesem Fall immer eine Rolle spielt und nicht immer nur das hehre Ethos, den Rechtsstaat zusammen mit Staatsanwalt Maier zu retten. Im Gegenteil, der sa&szlig; sicher am Schreibtisch und hat uns verflucht, weil er f&uuml;r jede Geschichte, die wir geschrieben haben, m&ouml;glicherweise einen Bericht schreiben musste und J&ouml;rg Hillinger sich rechtfertigen musste und die Angeklagten dort Disziplinarverfahren und alles was es Gutes im &#8222;Delikatessenladen&#8220; Rechtsstaat gibt, herangefahren haben, um das Verfahren dadurch zu torpedieren. Ich denke, wir haben uns trotzdem ein sachliches Verh&auml;ltnis bewahrt und gegen Ende der Ermittlungen und nach dem &Uuml;berstieg in die Karriere als vorsitzender Richter und Familienrichter hat es sich so ergeben, dass man, ohne den Fall neu aufzudr&ouml;seln, denn da bleibt das Geheimnis, Dienstgeheimnis und alles gewahrt, besser die gegenseitigen Positionen verstanden hat. Und ich habe dann Herrn Maier im Untersuchungsausschuss erlebt und ich mache hier einen Vorschlag: Ich schlage der Landeszentrale f&uuml;r Politische Bildung vor, die Protokolle dieses Ausschusses und die Abschlussberichte zu b&uuml;ndeln und in einer Brosch&uuml;re zu ver&ouml;ffentlichen. Die k&ouml;nnte man in der Schule einsetzen. Es w&auml;re ein gro&szlig;er Beitrag, um nachzuweisen, wie der Rechtsstaat funktionieren kann, ohne ganz gro&szlig;e besondere Leistung, sondern, wenn man seinen Weg geht. Es wird nicht geschehen, aber ich greife immer wieder darauf zur&uuml;ck, denn in diesem Ausschuss sind Probleme zur Sprache gekommen und abgehandelt worden, die f&uuml;r eine Demokratie sehr wichtig sind, die spannend waren und die leicht vermittelbar sind. Wo man Demokratie lernen kann, soll man es nutzen und dort konnte man das. Ich sag&#8216; das ausdr&uuml;cklich auch hier, weil es immer gehei&szlig;en hat, Untersuchungsaussch&uuml;sse sind &#8222;parlamentarische Selbstbesch&auml;ftigung&#8220;. Dort ist solide gearbeitet worden, dort ist hart gefragt worden. Und ich w&uuml;rde auch die Protokolle des Generalstaatsanwalts mitnehmen, des Justizministers, sie geh&ouml;ren auch dazu, denn wie bei Goldoni gibt es auch hier ein inneres Drehbuch. Und das mit den zwei Herren gef&auml;llt mir sowieso, aber wenn ich mir vorstelle, dass ein Generalstaatsanwalt in dieser Geschichte gegen den Staatsanwalt als Gruppenleiter Winfried Maier eine dreit&auml;gige Konferenz an einem Beamtenurlaubsort im S&uuml;den von M&uuml;nchen zubringen musste, um diese gesamte Aussage vorzubereiten und, wie ich eigentlich kommentierend sage, abzusprechen, um dann im Untersuchungsausschuss damit aufzutreten und wenn ich mir vorstelle, was geschehen w&auml;re, wenn Herr Maier solches getan h&auml;tte mit seinen Kollegen oder mit Herrn Kindler oder wem auch immer, dann sehen Sie, wo hier die Ungleichgewichtigkeiten sind. Dann sehen Sie aber auch, dass man Herrn Maier nicht fertiggemacht hat, sondern dass man alle H&auml;nde voll zu tun hatte, die Bl&ouml;&szlig;en zu bedecken, die er aufgedeckt hat. Es war ihm gar nicht darum zu tun. Ich ahne es und ich habe es im kleinen Vorgespr&auml;ch gemerkt, ihm ist eigentlich nichts zuwiderer als Personenkult. So wie er zur&uuml;ckgezogen seine Ermittlungsarbeit machen wollte, ist er auch jetzt in sein Arbeitsgebiet abgetaucht, sag&#8216; ich mal, ver&ouml;ffentlicht allerdings in der Branche wichtige Aufs&auml;tze in juristischen Fachzeitschriften, hat dazu wieder mehr Zeit und bl&uuml;ht sicherlich dabei beruflich auf. Und das ist eine kleine Genugtuung. Und ich sage Ihnen auch, mein Beruf hat das mit sich gebracht, dass ich in Bayern nahezu jede Aff&auml;re, wo es staubt oder raucht, irgendwo journalistisch begleiten durfte. Es hat in fast jedem dieser F&auml;lle einen Winfried Maier gegeben. Ich erinnere mich an einen Staatsanwalt-Kollegen im Fall Zwick, der dieses st&auml;ndige Anordnen von Einstellungen von Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung, Unterdr&uuml;cken von Anklagen, dieses st&auml;ndige Hineinreden aus der Generalstaatsanwaltschaft und aus dem Justizministerium und der Staatskanzlei, in der damals der Ministerpr&auml;sident Strau&szlig; sa&szlig; mit seinem Adlatus Edmund Stoiber, der sp&auml;ter auf wundersame Weise zum Saubermann wurde, und der ist heute Fachhochschul-Professor, auch er ist nicht im Beruf geblieben. Ich erinnere mich an Steuerfahnder, die im Untersuchungsausschuss ausgesagt haben, wie sie in den Kellern des Zwick&#8217;schen Gel&auml;ndes Unterlagen gefunden haben, die darauf hinwiesen, dass die Warnung des Justizministeriums per TELEX ergangen war an den Beschuldigten Zwick, da werde durchsucht. Und wie der ermittelnde Staatsanwalt, der von den Steuerfahndern begleitet wurde, den Steuerfahndern diese Unterlage entzogen hat und sie hat verschwinden lassen. Und welche Schwierigkeiten diese Beamten bekommen haben, als sie dar&uuml;ber nur Aussage machten im Untersuchungsausschuss. Und es hat in den Steuer-Aff&auml;ren der 80ziger Jahre einen Ministerialrat im Bayerischen Finanzministerium gegeben, der sich diesem System auf seine Weise widersetzt hat. Der hat 20 Jahre lang im Ministerium lahm gelegen. Den hat man nicht mehr bef&ouml;rdert, dem hat man keine Arbeit mehr gegeben. Einer der besten Steuerjuristen des Landes war pl&ouml;tzlich zust&auml;ndig f&uuml;r Kr&ouml;ten&uuml;berg&auml;nge auf Autobahnen und f&uuml;r Man&ouml;versch&auml;den. So absurd sind die Vorkommnisse, so subtil. Und er hat durchgehalten. Wie Herrn Maier war ihm auch kein einziges, kleines St&auml;ubchen von Dienstvergehen nachzuweisen. Und die Ironie des Schicksals wollte es, dass er dann als Generalbevollm&auml;chtigter des Freistaates den Saustall aufr&auml;umen durfte, den die Regierung bei der LWS hinterlassen hat, bei der Landeswohnungs- und Siedlungsgesellschaft, wo 500 Millionen DM versickert sind. Nicht in Politikertaschen, sondern weil diese Gesellschaft nicht auf Baugesch&auml;fte dieser Art eingerichtet war, Sie kennen das. Es hat einen fr&uuml;heren Justizminister sein Amt gekostet. Da f&auml;llt mir &uuml;brigens ein, ein Land, das in 10 Jahren drei Justizminister hat &#8211; ich wei&szlig; nicht ob das stimmt und in Ordnung ist. Eigentlich sollte dieser Posten auf Dauer ausgelegt sein und es beweist, dass offensichtlich der Ministerpr&auml;sident in diesen Bereich sehr stark hineinwirkt und, wenn was vorf&auml;llt, die Konsequenzen aus seinem Sinn zieht. Im Fall Hermann Leeb, der aus anderen Gr&uuml;nden durchaus zu kritisieren war, der aber in diesem konkreten Fall sehr mannhaft war, ist es nachweisbar, dass die Entlassung sachfremden Erw&auml;gungen gefolgt ist. Und es gibt eine Steuerbeamtin in N&uuml;rnberg, mein letzter gr&ouml;&szlig;erer Fall, an dem ich gerade arbeite und sowohl an Christlich-Sozialen als auch Sozialdemokraten im Bundesfinanzministerium hoffnungslos scheitere. Eine Beamtin fand heraus, dass 60 Millionen Mark einer R&uuml;stungsfirma in N&uuml;rnberg zu Unrecht nicht als Steuer eingezogen worden sind. Sie hat das sehr gut begr&uuml;ndet, sie wurde von oben overruled &ndash; so sagt man glaube ich im Tennis &#8211; also das Geld wurde nicht bezahlt auf Deutsch gesagt und dagegen hat sie sich verwahrt, denn sie wollte, wie Herr Maier, eine schriftliche Anweisung, was sie denn falsch gemacht habe oder dass sie, weil sie ja die zust&auml;ndige Betriebspr&uuml;ferin war, dieses unterschreiben muss. Falls das Geld nicht zu bezahlen ist, dazu muss sie angewiesen werden, dann muss sie das Recht auf Remonstration haben. Und all dies wurde ihr abgeschnitten. Der Fall ist anh&auml;ngig vor dem Verwaltungsgericht Ansbach. Man wird sehen, wie er ausgeht. Nur Herr Eichel will das Geld nicht haben und ich wei&szlig; nicht, was da f&uuml;r Absprachen dahinter stecken. &#8222;Staatsanw&auml;lte k&uuml;sst man nicht&#8220; hei&szlig;t ein sehr netter Hollywood-Film. Ich glaube, Herr Maier hat das dienstlich erlebt, deshalb bekommt er heute &#8211; glaube ich &#8211; etwas Stacheliges. Er hat es erfahren und ich glaube aber, er hat auch die Genugtuung, etwas bewegt zu haben, wie ich vorhin schon gesagt habe. Herr Maier kommt in B&uuml;chern vor, an zentraler Stelle. Zu gleicher Stunde, in der wir uns hier treffen, l&auml;uft im Cuvilli&eacute;s-Theater noch mal das ber&uuml;hmte St&uuml;ck &#8222;Obazt is&#8220;. Auch da spielt Herr Maier eine tragende Rolle. Die Bierm&ouml;sl-Blosn &#8211; wer sie kennt &#8211; und Gerhard Polt haben sich dieser Geschichte angenommen. Welcher bayerische Staatsbeamte kann schon von sich behaupten, Hauptfigur von B&uuml;chern und Volkstheater zu sein? Die Politiker sagen das so geschwollen, und ich sage es jetzt einfach als Journalist, weil ich es auch darf: Herr Maier, Sie haben sich um das Land verdient gemacht, ich glaube, Sie sind ein w&uuml;rdiger Preistr&auml;ger!\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Dieser Text ist die Abschrift der Tonbandaufzeichnung der Laudatio, die Michael Stiller &#8211; leitender Redakteur der S&uuml;ddeutschen Zeitung &#8211; bei der Preisverleihung am 28.11.2002 gehalten hat. Ver&ouml;ffentlichung nur mit Genehmigung des Autors und der Humanistischen Union, RV M&uuml;nchen-S&uuml;dbayern.\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><a href=\"http:\/\/suedbayern.humanistische-union.de\/preis_aufrechter_gang\/2002\/laudatio_auf_dr_winfried_maier\/\">Nach oben<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>28.12.2002 von Michael Stiller &nbsp; Sehr geehrter Herr Maier, sehr geehrte Frau Maier, sehr geehrte Gastgeber von der Humanistischen Union und auch vom Gasteig, sehr geehrte Damen und Herren, ich w&uuml;rde gerne hinzuf&uuml;gen: sehr geehrter Herr Justizminister, aber er ist nicht da. 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