{"id":173,"date":"2020-08-28T12:04:17","date_gmt":"2020-08-28T10:04:17","guid":{"rendered":"http:\/\/suedbayern.humanistische-union.de\/rede_der_preistraeger\/"},"modified":"2021-08-30T15:44:52","modified_gmt":"2021-08-30T13:44:52","slug":"rede_der_preistraeger","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/suedbayern.humanistische-union.de\/preis_aufrechter_gang\/preis_aufrechter_gang-1996\/rede_der_preistraeger\/","title":{"rendered":"Rede der Preistr\u00e4ger Unterst\u00fctzerkreis Regensburger Kirchenasyl"},"content":{"rendered":"<p>04.12.1996<\/p>\n<div>\n<div class=\"csi-imagewrap\">\n<dl class=\"csi-image\">\n<dt><a href=\"http:\/\/suedbayern.humanistische-union.de\/preis_aufrechter_gang\/1996\/rede_der_preistraeger\/\"><span class=\"migrated-image\"><img decoding=\"async\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAAAAAP\/\/\/ywAAAAAAQABAAACAUwAOw==\" fifu-lazy=\"1\" fifu-data-sizes=\"auto\" fifu-data-srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/suedbayern.humanistische-union.de\/typo3temp\/pics\/743f04f95e.jpg?ssl=1&w=75&resize=75&ssl=1 75w, https:\/\/i0.wp.com\/suedbayern.humanistische-union.de\/typo3temp\/pics\/743f04f95e.jpg?ssl=1&w=100&resize=100&ssl=1 100w, https:\/\/i0.wp.com\/suedbayern.humanistische-union.de\/typo3temp\/pics\/743f04f95e.jpg?ssl=1&w=150&resize=150&ssl=1 150w, https:\/\/i0.wp.com\/suedbayern.humanistische-union.de\/typo3temp\/pics\/743f04f95e.jpg?ssl=1&w=240&resize=240&ssl=1 240w, https:\/\/i0.wp.com\/suedbayern.humanistische-union.de\/typo3temp\/pics\/743f04f95e.jpg?ssl=1&w=320&resize=320&ssl=1 320w, https:\/\/i0.wp.com\/suedbayern.humanistische-union.de\/typo3temp\/pics\/743f04f95e.jpg?ssl=1&w=500&resize=500&ssl=1 500w, https:\/\/i0.wp.com\/suedbayern.humanistische-union.de\/typo3temp\/pics\/743f04f95e.jpg?ssl=1&w=640&resize=640&ssl=1 640w, https:\/\/i0.wp.com\/suedbayern.humanistische-union.de\/typo3temp\/pics\/743f04f95e.jpg?ssl=1&w=800&resize=800&ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/suedbayern.humanistische-union.de\/typo3temp\/pics\/743f04f95e.jpg?ssl=1&w=1024&resize=1024&ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/suedbayern.humanistische-union.de\/typo3temp\/pics\/743f04f95e.jpg?ssl=1&w=1280&resize=1280&ssl=1 1280w, https:\/\/i0.wp.com\/suedbayern.humanistische-union.de\/typo3temp\/pics\/743f04f95e.jpg?ssl=1&w=1600&resize=1600&ssl=1 1600w\" class=\"migrate-image\" fifu-data-src=\"https:\/\/i0.wp.com\/suedbayern.humanistische-union.de\/typo3temp\/pics\/743f04f95e.jpg?ssl=1\"><\/span><\/a><\/dt>\n<\/dl>\n<\/div>\n<div class=\"csi-text\">\n<p class=\"bodytext\"><i>vorgetragen von Gotthold Streitberger (Mitglied BI Asyl)<\/i>\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Sehr geehrte Damen und Herren,\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">durch die Preisverleihung reiht die Humanistische Union uns, d.h. den Unterst&uuml;tzerkreis Regensburger Kirchenasyl, die Kirchenasyl gew&auml;hrenden Gemeinden und die gesamte Kirchenasylbewegung ein in eine Reihe von namhaften Frauen und M&auml;nner, die den aufrechten Gang repr&auml;sentieren. Das ehrt uns, und wir verstehen dies als Anerkennung f&uuml;r bisherige Bem&uuml;hungen und Ermutigung und Ansporn f&uuml;r zuk&uuml;nftige Bem&uuml;hungen.\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Herzlichen Dank daf&uuml;r an die Humanistische Union, f&uuml;r die wir neben Dr. Hering stellvertretend f&uuml;r die anderen Mitgliedern, die aus M&uuml;nchen zu uns gekommen sind, namentlich Herrn Wolfgang Killinger begr&uuml;&szlig;en. Herr Killinger hat federf&uuml;hrend f&uuml;r die Humanistische Union die Vorbereitungen und Programmgestaltung des heutigen Abends &uuml;bernommen. <br \/>Herzlichen Dank auch an Dr. Heribert Prantl f&uuml;r seine Laudatio und Milorad Romic f&uuml;r die sch&ouml;ne musikalische Begleitung. <br \/>Die vielen namhaften Pers&ouml;nlichkeiten, die hier unter uns sind, kann ich nat&uuml;rlich nicht alle begr&uuml;&szlig;en, stellvertretend begr&uuml;&szlig;e ich Frau Gabriele Sch&ouml;nhuber, die f&uuml;r das &Ouml;kumenische Kirchenasylnetz Bayern aus M&uuml;nchen zu uns gekommen ist, zusammen mit Frau Ammon, Ex-Synodale der Evang. Landeskirche.\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Unsere Bundestagsabgeordnete Erika Simm ist zur Sitzungswoche des Deutschen Bundestages in Bonn und kann deshalb nicht hier sein. Sie bedauert dies und hat uns schriftlich sehr herzlich gratuliert. Ebenso Pfarrer Denk und Pfarrer Scheuerer aus Kelheim, die leider auch verhindert sind.\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Wir begr&uuml;&szlig;en aber alle Fl&uuml;chtlinge unter uns, und insbesondere die, die in unserer Gegend durch Kirchenasyl bzw. &ouml;ffentlich gemachtes Verstecken vor Abschiebung gerettet wurden und nun alle hier sind: Familie Kocakaya aus Kelheim, Kamran IIhan und Nuri Bekiroglu aus Regensburg, und Familie Rasiti aus Maxh&uuml;tte. <br \/>Und ganz herzlich begr&uuml;&szlig;en wir Azimari Sebabi und Esso-Walana Ouro-Sama, zwei unserer togoischen Freunde aus dem Kirchenasyl. Einerseits freuen wir uns sehr, da&szlig; sie unter uns sind, andererseits sind wir sehr traurig: Sie k&ouml;nnen nur unter uns sein, weil sie k&uuml;rzlich unterschrieben haben, freiwillig in ein anderes Land auszureisen und daraufhin das Kirchenasyl verlassen konnten, bis ihre Ausreise organisiert ist.\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Genug der Begr&uuml;&szlig;ungen und der Vorrede.\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Meine weiteren Ausf&uuml;hrungen gliedere ich in drei Teile:\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>1. Wie war die Ausgangssituation des Regensburger Kirchenasyls? <\/b>\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>2. Wie war der Verlauf und welche Erfahrungen und Erkenntnisse haben wir dabei gewonnen? <\/b>\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>3. Vorl&auml;ufiges Fazit. Und wie kann&#8217;s weitergehen? Was wollen wir erreichen? <\/b>\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Also zu erstens: Wie war die Ausgangssituation? <\/b>\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Anfang M&auml;rz hatte das Ausl&auml;nderamt Abschiebema&szlig;nahmen gegen mehrere togoische Fl&uuml;chtlinge eingeleitet, bei denen es das Bundesamt abgelehnt hatte, ein Asylfolgeverfahren durchzuf&uuml;hren. Eine Klage gegen diesen ablehnenden Bescheid des Bundesamtes war anh&auml;ngig. Diese hat aber keine aufschiebende Wirkung und ein Eilantrag zur Aussetzung der Abschiebung war vom VG Rgbg. 5 Kammer abgelehnt worden. Die 5. Kammer des VG Rgbg. lehnt Asylklagen togoischer Fl&uuml;chtlinge grunds&auml;tzlich ab. Dagegen anerkennt die 6. Kammer zumindest Abschiebungshindernisse aufgrund der generellen R&uuml;ckkehrgef&auml;hrdung an &#8211; &uuml;brigens bis zum heutigen Tag. <br \/>Vor diesem Hintergrund schrieb die Mittelbayerische Zeitung am 20.2.96 in einer gro&szlig;en Reportage zur Asylrechtssprechung des VG Regensburg von einem &#8222;Gl&uuml;cksspiel&#8220; und es dr&auml;nge sich &#8222;zwangsweise der Eindruck von Unberechenbarkeit und Willk&uuml;r auf&#8220;.&nbsp;\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">In dieser Lage haben wir uns zusammengesetzt und &uuml;berlegt, was wir tun k&ouml;nnen. Wir waren und sind weiterhin von der generellen R&uuml;ckkehrgef&auml;hrdung togoischer Fl&uuml;chtlinge &uuml;berzeugt. Und aus prinzipiellen Gr&uuml;nden halten wir eine Abschiebung von Fl&uuml;chtlingen vor rechtskr&auml;ftiger Entscheidung &uuml;ber die Durchf&uuml;hrung eines Asylfolgeverfahrens f&uuml;r unverantwortlich und f&uuml;r unvereinbar mit demokratischen und rechtsstaatlichen Prinzipien.\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Bei diesem Treffen stellte sich nun konkret die Frage nach Kirchenasyl. <br \/>Unser togoischer Freund Ouro-8ama lebte schon seit Oktober 95 in einem Versteck vor Abschiebung, ohne da&szlig; die &Ouml;ffentlichkeit davon wu&szlig;te. Aber nun waren gleichzeitig mehrere togoische Fl&uuml;chtlinge vor Abschiebung bedroht, da konnten und wollten wir nicht einen herausgreifen. Die noch konkretere Frage war also: Kann in Regensburg offenes Kirchenasyl f&uuml;r mehrere togoische Fl&uuml;chtlinge gew&auml;hrt werden? <br \/>Mit ausf&uuml;hrlichen Erl&auml;uterungen gaben wir diese Frage so in pers&ouml;nlichen Gespr&auml;chen an verschiedene Kirchengemeinden weiter. Daraufhin haben mehrere Pfarrer und Pfarrgemeinder&auml;te beschlossen, Fl&uuml;chtlingen Kirchenasyl zu gew&auml;hren.\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">In ausf&uuml;hrlichen Gespr&auml;chen mit den betroffenen Fl&uuml;chtlinge wurden dann die M&ouml;glichkeiten und Grenzen des Kirchenasyls besprochen, die damit verbundenen Belastungen, die Hoffnungen, und die fehlende Garantie &#8230; <br \/>Zwei der Betroffenen haben sich daraufhin zur freiwilligen Ausreise entschlossen und vier haben dringend um Kirchenasyl gebeten. Am 10.M&auml;rz wurden Fousseni Moussa und Abdou-Razak OuroBodi ins Kirchenasyl in Mari&auml; Himmelfahrt und am 17. M&auml;rz Jyouwe Djabirisam und Azimari 8ebabi in 8t.Leonhard Vieh hausen aufgenommen. <br \/>Im Sonntagsgottesdienst wurde das Kirchenasyl der Gemeinde bekanntgegeben, die Zuflucht suchenden Fl&uuml;chtlinge stellten sich der Gemeinde vor und die Gemeinde begr&uuml;&szlig;te sie und das Kirchenasyl mit gro&szlig;em Applaus. <br \/>Am 11. Mai wurden Missibahou Arouna und Esso-Walana Ouro-8ama in das Kirchenasyl der Gemeinde St. Georg Obertraubling aufgenommen und von dort in &ouml;kumenischer Verbundenheit Mitte Juni 96 von der Dreieinigkeitskirche Regensburg in ihr Kirchenasyl &uuml;bernommen. <br \/>Beide waren bekanntlich zuvor schon in Abschiebehaft, der Abschiebeflug nach Togo war bereits gebucht. Die damalige Oberb&uuml;rgermeisterin Christa Meier und der damalige B&uuml;rgermeister Walter Annu&szlig; haben mitgeholfen, sie aus der Abschiebehaft freizubekommen. Daf&uuml;r danken wir Ihnen hier nochmals.\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Zum Verst&auml;ndnis dieser Ausgangs- und Anfangssituation mu&szlig; noch folgendes gesagt werden:<br \/>Es gab bis dahin in Regensburg noch kein offenes Kirchenasyl. Aber es gab Regensburger Erfahrungen und Erfolge mit Verstecken von Fl&uuml;chtlingen bzw. mit Kirchenasyl, bei dem Ort und Name der Kirche der &Ouml;ffentlichkeit und den Beh&ouml;rden nicht genannt wurden. Hinzu kamen die Erfahrungen des offenen Kirchenasyls der Gemeinde St.Lukas in Kelheim 1994. <br \/>Und wir beteiligten uns bereits aktiv bei der Gr&uuml;ndungsversammlung des &Ouml;kumenischen Kirchenasylnetzes im April 94 in N&uuml;rnberg und beim ersten bayerischen Kirchenasylstudientag im Februar 95 in Augsburg mit insgesamt ca. 150 Teilnehmer\/innen. <br \/>Der zweite bayerische Kirchenasylstudientag im Februar 96 im Kloster Riedenburg wurde aus Regensburg mit dem bayernweiten Sprecherrat des &Ouml;kumenischen Kirchenasylnetzes vorbereitet. Nach Riedenburg kamen Vertreter beider Kirchenleitungen und &uuml;ber 200 Personen, aus Regensburg unter anderen Pfarrer Chrt und der kath. Seelsorgeamtsleiter Herr Hubbauer.\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Zur Vorgeschichte geh&ouml;rt auch eine sehr gut besuchte Bildungsveranstaltung des Kath. Bildungswerkes zum Thema Kircheasyl mit den Referenten Frau Sch&ouml;nhuber aus M&uuml;nchen und Pfarrer Steinmeier aus N&uuml;rnberg vom &Ouml;kumenischen Kirchenasylnetz und ein Gottesdienst der Dreieinigkeitskirche zum Thema Kirchenasyl. <br \/>Au&szlig;erdem nehmen wir seit 1995 regelm&auml;&szlig;ig an den bayerischen Kirchenasylarbeitstreffen teil, bei denen die Erfahrungen der verschiedenen Kirchenasyle in Bayern ausgetauscht werden. <br \/>St&uuml;tzen und berufen konnten und k&ouml;nnen wir uns auch auf viele ermutigende Worte der kath. und evang. Kirchenleitungen und ihrer Repr&auml;sentanten zum Kirchenasyl. <br \/>Ganz wichtig waren auch die nun schon jahrelangen intensiven Regensburger Togo-Recherchen, die Zusammenarbeit mit togoischen Fl&uuml;chtlingen, und da&szlig; sich diese selbst in CRETO organisiert haben, dem Komitee der togoischen Fl&uuml;chtlinge in Regensburg und der Oberpfalz.\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Aber nun zu Punkt 2: Wie war der Verlauf? Welche Erfahrungen und welche Erkenntnisse haben wir gewonnen? <\/b>\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Mit dem &#8222;Regensburger Gruppenkirchenasyl f&uuml;r togoische Fl&uuml;chtlinge&#8220; hatten wir auch in der bayernweiten- bzw. bundesweiten Kirchenasylbewegung relatives Neuland beschritten. <br \/>Die erste Phase war gepr&auml;gt von einer Welle von Sympathie- und Unterst&uuml;tzungsbekundungen. Die ins Kirchenasyl spontan vorbeigebrachte Torte eines B&auml;ckermeisters mit der Aufschrift &#8222;SOLIDARITE&#8220; war so ein Zeichen. Oder der Fu&szlig;balltrainer, der die Kirchenfl&uuml;chtlinge zum Vereinstraining abholen wollte, nicht wissend, da&szlig; das wegen der Verhaftungsgefahr au&szlig;erhalb des Kirchenasyls nicht m&ouml;glich ist. <br \/>Wir haben &uuml;ber 250 Unterst&uuml;tzungsbriefe und Stellungnahmen aus dem ganzen Bundesgebiet und gro&szlig;z&uuml;gige Spenden an den Unterst&uuml;tzerkreis und die einzelnen Gemeinden erhalten. &Uuml;ber 700 vorwiegend in der Seelsorge T&auml;tige haben eine gemeinsame Solidarit&auml;tserkl&auml;rung ver&ouml;ffentlicht, die auch als Annonce in der MZ erschien. <br \/>Vor Ort interessierten sich viele neue Menschen f&uuml;r die Situation in Togo, f&uuml;r die Asylrechtssprechung und f&uuml;r Kirchenasyl. F&uuml;r viele war es neu und emp&ouml;rend, da&szlig; eine Abschiebung vor Abschlu&szlig; eines Asylverfahrens nach geltendem Recht &uuml;berhaupt m&ouml;glich ist. <br \/>Der Kirchenasylalltag, der mit zunehmender Dauer f&uuml;r die Fl&uuml;chtlinge, aber auch f&uuml;r uns immer belastender, f&uuml;r die Fl&uuml;chtlinge phasenweise fast unertr&auml;glich wurde, mu&szlig;te bew&auml;ltigt werden. Dazu geh&ouml;rt unter anderem die allt&auml;gliche praktische Hilfe und Betreuung im Kirchenasylgef&auml;ngnis: T&auml;gliche Einkaufs- und Besuchsdienste, Deutschunterricht, &Uuml;berlegungen und Taten, um die Fl&uuml;chtlinge in ihrer schweren Situation aufzumuntern, wo erforderlich wurde medizinische Betreuung gefunden, das weitere juristische Vorgehen wurde besprochen und vorbereitet usw. usf&#8230;\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">In den Kirchengemeinden und Pfarrh&auml;usern steht die christliche und humanit&auml;re Beistandspflicht und die entsprechende menschliche Betreuung im Vordergrund aller Bem&uuml;hungen. Hinzu kam die Suche nach L&auml;ndern, die f&uuml;r eine Ausreise in Frage kommen und nach Adressen und m&ouml;glichen AnlaufsteIlen in diesen L&auml;ndern, f&uuml;r den Fall, da&szlig; ein Bleiberecht in Deutschland nicht mehr erreicht werden kann.\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Der Verlauf und die Erfahrungen des Kirchenasyls sind nat&uuml;rlich in jeder Gemeinde etwas verschieden und abh&auml;ngig von der jeweiligen Gemeindestruktur und anderen Faktoren.\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Pfarrer Chrt predigte &uuml;ber seine Erfahrungen nach 3 Monaten: <br \/>&#8222;Anfangs waren mir meine togoischen G&auml;ste fremd in ihrer Hautfarbe, ihrer Kultur und Lebensweise, inzwischen sind sie meine Freunde geworden. Auch wenn wir sprachliche Kommunikationsprobleme haben &#8211; eine Sprache verstehen wir Menschen alle: die Sprache der Zuneigung und der Solidarit&auml;t.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Der Unterst&uuml;tzerkreis Albert Magnus schreibt &uuml;ber seine Erfahrungen: &#8222;Die Betreuung der beiden Asylbewerber in Viehhausen bedeutete f&uuml;r uns nicht nur Belastung und psychischen Stress, sondern es war auch eine menschlich sehr bereichernde Erfahrung, die wir nicht missen m&ouml;chten. Wir sind durch das Kirchenasyl auch kritischer und hellh&ouml;riger geworden f&uuml;r politische Mi&szlig;st&auml;nde in Deutschland.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Eine erste gro&szlig;e Entt&auml;uschung und Verunsicherung war die Grundsatzentscheidung des VGH M&uuml;nchen vom Sommer 96, auf die wir alle zu Beginn und im bisherigen Verlauf des Kirchenasyls Hoffnungen gesetzt hatten. Im Gegensatz zur Auffasssung von Menschenrechtsorganisationen und unserer &Uuml;berzeugung, der Entscheidung des OVG Magdeburg, des OVG Saarbr&uuml;cken und vieler anderer Gerichtsurteile, verneinte der VGH M&uuml;nchen eine generelle R&uuml;ckkehrgef&auml;hrdung und eine Gruppenverfolgung togoischer Fl&uuml;chtlinge. <br \/>Ob dabei eine Rolle spielte, da&szlig; der Vorsitz der zust&auml;ndigen Kammer kurz zuvor wechselte, k&ouml;nnen wir nicht beurteilen. Die Entscheidung des VGH M&uuml;nchen bedeutet, da&szlig; die Frage der R&uuml;ckkehrgef&auml;hrdung in jedem einzelnen Fall entschieden werden mu&szlig;.\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Eine weitere gro&szlig;e Verunsicherung war das Ergebnis des Gespr&auml;ches des Unterst&uuml;tzerkreis mit Innenminister Beckstein am 15. Juli. <br \/>Bereits Ende Juni hatte er unter Berufung auf das damals noch nicht ver&ouml;ffentlichte VGH-Urteil in einem Schreiben an die Pfarrgemeinden und an viele andere Adressaten und per Pressemitteilung massiv die unverz&uuml;gliche Beendigung des Kirchenasyls gefordert. Dieses Schreiben und seine entsprechende Pressemitteilung waren voller Halbwahrheiten, die durch Weglassen ma&szlig;geblicher Aspekte zur Unwahrheit werden. Sie waren aber auch ein starkes Druckmittel, um Angst und Unsicherheit zu sch&uuml;ren. <br \/>In unserem pers&ouml;nlichen Gespr&auml;ch am 15. Juli zeigte sich der Innenminister in der Sache hart, ohne wirkliche Verhandlungsbereitschaft und Entgegenkommen. Vielmehr best&auml;rkte er noch die bestehende Angst und Unsicherheit bez&uuml;glich einer eventuellen polizeilichen R&auml;umung des Kirchenasyls. <br \/>Polizeiliche R&auml;umung hei&szlig;t Abschiebung nach Togo. Und gerade dies wollten wir ja unbedingt verhindern.\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Sollten wir also angesichts dieser Gefahr und des zunehmenden politischen Druckes nachgeben und das Kirchenasyl vorzeitig selbst beenden? Es gab Stimmen, die dazu tendierten. Die Pfarrgemeinden, die im Kirchenasyl befindlichen Fl&uuml;chtlinge und wir vom Unterst&uuml;tzerkreis haben zusammen anders entschieden: Fortsetzung des Kirchenasyls bis zu einer endg&uuml;ltigen juristischen Entscheidung im Einzelfall. Dies wurde dem Innenminister und der &Ouml;ffentlichkeit auch mitgeteilt. Dabei hofften wir weiter auf die juristische Anerkennung von zumindest Abschiebungshindernissen im konkreten Einzelschicksal. <br \/>Angesichts der breiten &ouml;ffentlichen Unterst&uuml;tzung und Sympathie f&uuml;r Kirchenasyl schreckt Innenminister Beckstein wegen der &#8222;Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeit der Mittel&#8220;, wie er sich ausdr&uuml;ckt, doch noch vor dem direkten Frontalangriff gegen&uuml;ber den gro&szlig;en Kirchen zur&uuml;ck. <br \/>Aber in Wunsiedel, beim Kirchenasyl der kleinen Adventsgemeinde, also einer dem Staat gegen&uuml;ber schwachen Kirche, zeigte er, da&szlig; er auch ein Gemeindehaus und Gotteshaus nicht achtet. Er lie&szlig; dort polizeilich r&auml;umen und sofort nach Togo abschieben. Alles war generalstabsm&auml;&szlig;ig geplant.\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Wir sind dar&uuml;ber immer noch ma&szlig;los entsetzt und emp&ouml;rt. Und im Wissen, wie es Saguintah Solona in Togo geht, sind wir genauso entsetzt und emp&ouml;rt, welche L&uuml;genpropaganda das Innenministerium dar&uuml;ber verbreitet. Aber das ist ein eigenes Thema, zu dem wir uns an anderer Stelle &auml;u&szlig;ern k&ouml;nnen. <br \/>Unsere Erfahrungen mit Innenminister Beckstein sind jedenfalls sehr negativ. &Uuml;ber die politische Bewertung dieser Erfahrungen haben wir viele unterschiedliche Meinungen. <br \/>Ich bin folgender Meinung: <br \/>Herr Dr. Beckstein sollte als Innenminister und Mitglied der Evang. Synode zur&uuml;cktreten, bzw. wir sollten ihn dazu auffordern. <br \/>Aber, ich betone, dies ist meine pers&ouml;nliche Meinung und innerhalb unseres Unterst&uuml;tzerkreis und der ganzen bayerischen Kirchenasylbewegung, die vergleichbare negative Erfahrungen wie wir machen, ist dies eine Minderheitsmeinung.\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Ende September und Anfang Oktober folgten unsere Gerichtserfahrungen mit der 5. Kammer des VG Regensburg. Rechtsanwalt Auer hatte seine Klagen, &uuml;ber die nun &#8211; nach 7 Monaten Kirchenasyl verhandelt wurde, sehr gut vorbereitet. Aber die 5. Kammer blieb ihrer Linie treu und ignorierte alle Beweise oder wollte sie nicht einmal zur Kenntnis nehmen. Die Klagen wurden abgewiesen. F&uuml;r viele war der Besuch einer Asylgerichtsverhandlung eine neue Erfahrung. Eine Hausfrau aus Viehhausen schrieb daraufhin einen Brief an den Pr&auml;sidenten des Verwaltungsgerichtes und beschrieb darin, was wohl alle Besucher f&uuml;hlten: Ihr Entsetzen &uuml;ber die Verhandlungsf&uuml;hrung. Vom Vizepr&auml;sidenten des Gerichts bekam sie auch Antwort, aus der ich jetzt w&ouml;rtlich zitiere: <br \/>&#8220; &#8230; Aufgrund ihrer offensichtlich gro&szlig;en Unerfahrenheit in rechtlichen Dingen, sehe ich davon ab, Strafantrag und Strafanzeige gegen Sie zu stellen, weise diese Vorw&uuml;rfe aber auf das Entschiedenste zur&uuml;ck &#8230;. &#8220; <br \/>Wieder eine Erfahrung mehr.\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Eine allgemeine Erfahrung ist sicherlich folgende: <br \/>Wir rennen mit unseren K&ouml;pfen voller Wissen und Beweise gegen eine Betonwand von Ignoranz und Hartherzigkeit der Asyljustiz und des bayerischen Innenministers. <br \/>Der herrschenden politischen Pr&auml;misse, da&szlig; m&ouml;glichst viele der noch in Deutschland lebenden Fl&uuml;chtlinge aus unserem Land wieder vertrieben werden sollen, wird alles untergeordnet. Was z&auml;hlen da solche Werte wie christliche Beistandspflicht, Humanitas oder Gerechtigkeit&#8230;\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Wichtige Erfahrungen haben wir auch im Umgang untereinander gemacht: <br \/>Ab Beginn des Kirchenasyls hat sich der Unterst&uuml;tzerkreis alle 2 &#8211; 3 Wochen getroffen. Die jeweilige Gesamtsituation wurde reflektiert und diskutiert. Anstehende Aufgaben wurden besprochen, verteilt und so gut als m&ouml;glich koordiniert. Juristische und politische Fragen wurden diskutiert. Diese Sitzungen dauerten meist &uuml;ber 4 Stunden und waren oft auch sehr anstrengend. Die Aufgaben im weiten Feld zwischen christlicher Beistandspflicht, humanit&auml;rer Betreuung, zivilem Ungehorsam und Widerstand gegen Unrecht sind riesig. <br \/>Dabei mu&szlig;ten wir Strukturen erlernen und &uuml;ben. Wir mu&szlig;ten lernen, viele neue Informationen aufzunehmen, zu diskutieren und zu verarbeiten. Wir mu&szlig;ten lernen, mit unseren unterschiedlichen Meinungen, Einsch&auml;tzungen oder Standpunkten zur jeweiligen Situation umzugehen. Wir mu&szlig;ten lernen, unterschiedlichen Meinungen und auch verschiedene Charaktere und Pers&ouml;nlichkeiten soweit als m&ouml;glich aufeinander und miteinander abzustimmen, auch unterschiedliche Meinungen akzeptieren und nebeneinander stehen lassen &#8230;\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Diese Koordination war und ist eine unserer schwierigsten Aufgaben. Hier sind uns zwangsl&auml;ufig auch Koordinationsprobleme, Fehler, Irritationen und Kommunikationsdefizite unterlaufen. <br \/>Und dieser Proze&szlig; des Umgangs miteinander war und bleibt nicht einfach, war und ist manchmal auch schmerzend, insgesamt aber bereichernd. <br \/>Man kann diesen Proze&szlig; und auch die dabei unterlaufenen Fehler nur verstehen, wenn man sich den ganz enormen Druck zu vergegenw&auml;rtigen sucht, dem wir ausgesetzt sind: Der Druck, der von staatlicher Seite und von rechten politischen Kreisen gegen&uuml;ber einem solchen Unterst&uuml;tzerkreis dirket und indirekt aufgebaut wird, der juristische Druck und der Druck der konkret erlebten Verzweiflung der Fl&uuml;chtlinge in und au&szlig;erhalb des Kirchenasyls. Hinzu kommt die pers&ouml;nliche Arbeitsbelastung von jedem von uns .. Im Gegensatz zu den Herren aus Staat und Politik arbeiten wir ehrenamtlich und au&szlig;erberuflich, und wir haben keinen Mitarbeiterstab zur Verf&uuml;gung.\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Wir haben weitere Erfahrungen gewonnen, die ich horizonterweiternd nenne. <br \/>Im Kirchenasyl sind Menschen verschiedener Kulturen und verschiedener Gewohnheiten und unterschiedlicher Lebenseinstellungen zusammengekommen: Afrikaner und Deutsche, auch mit unterschiedlichem Glauben: Moslems und Christen. Und Christen verschiedener Konfessionen, katholische, evangelische und mennonitische Christen. Und Christen sind zusammengekommen mit Menschen, die sich von anderen humanit&auml;ren oder von politischen &Uuml;berzeugungen leiten lassen. &#8222;Anfangs waren wir einander fremd, nun sind wir Freunde geworden&#8220;, hat Pfarrer Chrt gepredigt. Wir alle haben uns kennengelernt und voneinander gelernt. <br \/>Ein Modell, da&szlig; man ohne den Zwangscharakter des Kirchenasyls innerkirchlich und gesamtgesellschaftlich umsetzen k&ouml;nnte und sollte.\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Nun zum letzten Punkt der Rede: Vorl&auml;ufiges Fazit, Wie kann&#8217;s weitergehen und was wollen wir erreichen?<\/b>\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Unser oberstes Ziel war, allen togoischen Fl&uuml;chtlingen im Kirchenasyl zu einem Bleiberecht in Deutschland zu verhelfen, bis sie gefahrlos nach Togo zur&uuml;ckkehren k&ouml;nnen, um dort eine Demokratie mitaufzubauen. Dies haben wir bekanntlich nicht erreicht, angesichts der Ignoranz der Asyljustiz und der bornierten und herzlosen Politik des bayerischen Innenministeriums. Zwei Fl&uuml;chtlinge aus dem Kirchenasyl sind ausgereist, zwei weitere warten auf die Ausreise. Wenigstens erfolgte und erfolgt keine Abschiebung nach Togo. <br \/>Aber wir sagen dazu ganz deutlich: Wir finden es besch&auml;mend, da&szlig; wir unsere Freunde in L&auml;nder verabschieden m&uuml;ssen, in denen sie weiter Fl&uuml;chtlinge und gef&auml;hrdet sind, und die von ihren &ouml;konomischen sozialen und politischen Gegebenheiten wesentlich schlechtere Voraussetzungen haben, als die Bundesrepublik. <br \/>Zwei Fl&uuml;chtlinge warten weiter im Kirchenasyl auf den Ausgang ihres Verfahrens. Hier haben wir hinsichtlich unseres obersten Zieles, also Bleiberecht, bei einem der beiden begr&uuml;ndete gro&szlig;e Hoffnung, beim anderen nur noch sehr geringe, dies allerdings auch wegen Vers&auml;umnissen des vertretenden Anwaltes.\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Eines wurde sicherlich erreicht: Mehr Menschen sind auf die Not der Fl&uuml;chtlinge, die Unzul&auml;nglichkeiten und Ungerechtigkeiten des Asylverfahrensgesetzes und der Asyljustiz und die Politik des bayerischen Innenministeriums gegen Fl&uuml;chtlinge an hand konkreter Erfahrungen aufmerksam geworden. F&uuml;r viele Menschen aus den Kirchengemeinden ist das ein neues Thema, einige werden sich weiter damit besch&auml;ftigen. Der Unterst&uuml;tzerkreis Albert Magnus schreibt dazu: &#8222;F&uuml;r einige von uns ist mit dem Ende des Kirchenasyls in Viehhausen die Sache sicherlich nicht erledigt. Wir wollen und werden in der einen oder anderen Form in der Asylarbeit weitermachen.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Nun noch zu den <b>staatsanwaltlichen Ermittlungen <\/b>gegen die Pfarrer und Pfarrgemeinderatsvorsitzenden :\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Pers&ouml;nlich sehen die direkt Betroffenen und wir das eigentlich ziemlich locker und entspannt. Aber insgesamt mu&szlig; diesem weiteren Versuch, Pfarrer und Pfarrgemeinden zumindest einzusch&uuml;chtern, sogar zu kriminalisieren, mit dem Ziel, andere vom Kirchenasyl abzubringen, deutlich und noch lauter als bisher entgegengetreten werden.\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Wir sagen klipp und klar: Die christliche Gewissensentscheidung darf nicht kriminalisiert werden, Pfarrer sind keine Kriminelle, die Staatsanwaltschaft soll die Ermittlungen einstellen!\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Sollten dann aber doch Strafbefehle ins Haus flattern, dann empfehlen wir, dagegen mit allen zur Verf&uuml;gung stehenden juristischen und politischen M&ouml;glichkeiten vorzugehen und bitten daf&uuml;r um entsprechende Unterst&uuml;tzung und Solidarit&auml;t. <br \/>Festgestellt werden kann zun&auml;chst: In der &uuml;ber 15-j&auml;hrigen Kirchenasylgeschichte gab es bisher keine Verurteilungen gegen Kirchenasyl Gew&auml;hrende. Kirchenasyl ist bisher keine Straftat. Besch&auml;mend finden wir es, da&szlig; die Partei, die sich christlich nennt, dies anders propagiert und den Ist-Zustand offensichtlich &auml;ndern will. Wir hoffen, da&szlig; sich hiergegen die Kirchen und andere gesellschaftlich relevante Kr&auml;fte und die politische Opposition noch deutlicher als bisher zu Wort melden.\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Die CSU behauptet, Kirchenasyl sei ein klarer Rechtsbruch. Als Tatsachenbehauptung ist dies schlichtweg falsch. Ebenso falsch ist ihr Vorwurf, durch Kirchenasyl werde der demokratische Rechtsstaat ausgeh&ouml;hlt. Dieser Vorwurf ist eigentlich l&auml;cherlich, aber nat&uuml;rlich nicht zum Lachen. Im Gegenteil. Deshalb sagen wir ernsthaft:\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Kirchenasyl will den Staat vor Rechtsbruch bewahren! <\/b>\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Kirchenasyl ist keine Umgehung des Rechtsstaates. Wir wollen den Rechtsstaat. Wir wollen rechtstaatliche Prinzipien und humanit&auml;re bzw. allgemein menschenrechtliche Grunds&auml;tze der Verfassung bewahren und verteidigen. <br \/>Aber wir m&uuml;ssen feststellen: <br \/>Das Grundrecht auf Asyl &#8211; einer dieser ganz wesentlichen Grunds&auml;tze der Verfassung &#8211; wurde de facto bereits abgeschafft. <br \/>Und weitere Grundrechte sind in Gefahr. Nicht durch uns, sondern durch die, die uns dies vorwerfen. Dagegen wehren wir uns. Und wir fragen auch: Was ist das f&uuml;r ein Staat, in dem Grundrechte an die Nationalit&auml;t gebunden sind?\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Keine Kirchengemeinde will Kirchenasyl. <\/b>\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Gerade deshalb ist neben der christlichen Beistandspflicht <b>origin&auml;res Ziel der Kirchenasylbewegung<\/b>, auf strukturelle Ver&auml;nderungen der Faktoren zu dr&auml;ngen, die immer h&auml;ufiger, die Frage nach Kirchenasyl stellen. Das hei&szlig;t konkret, zu dr&auml;ngen auf Ver&auml;nderungen im Asylverfahren und seinen gesetzlichen Grundlagen. <br \/>Ich will nur drei Punkte nennen: <br \/>Die <b>Erstanh&ouml;rung beim Bundesamt<\/b>, die f&uuml;r das ganze weitere Verfahren entscheidende Bedeutung hat, sollte nicht mehr unmittelbar nach der Flucht stattfinden. Vor der Anh&ouml;rung mu&szlig; gen&uuml;gend M&ouml;glichkeit einer qualifizierten Verfahrensberatung gegeben sein. Und die Qualit&auml;t dieser Anh&ouml;rung mu&szlig; stark verbessert werden. <br \/>Beim <b>Schutz vor Abschiebung <\/b>sollten zumindest die Bestimmungen des Ausl&auml;ndergesetzes und der Genfer Fl&uuml;chtlingskonvention eingehalten werden und vorhandene Spielr&auml;ume ausgenutzt werden. Das Asylverfahrensgesetz ist dahingehend zu &auml;ndern, <b>da&szlig; eine Abschiebung nicht erfolgen kann, bevor &uuml;ber die Durchf&uuml;hrung eines Folgeverfahrens rechtskr&auml;ftig entschieden ist.<br \/><\/b>&nbsp;<br \/>Unsere oberste Pr&auml;misse ist:<b> Fluchtursachen bek&auml;mpfen &#8211; Nicht die Fl&uuml;chtlinge. <br \/><\/b>Und dabei sollten wir ein besonderes Auge f&uuml;r die in unserem Land liegenden Fluchtursachen haben. Aber solange wir diese strukturellen Ver&auml;nderungen nicht erreicht haben, solange wird Kirchenasyl als Teil unserer Bem&uuml;hungen weiter gefragt sein, auch in Regensburg. Dabei appellieren wir an Parteien, Gewerkschaften und andere &ouml;ffentliche Institutionen, ihre Solidarit&auml;t und Unterst&uuml;tzung mit der Kirchenasylbewegung zu verst&auml;rken. Und wir erinnern daran, da&szlig; auch sie von Abschiebung bedrohten Fl&uuml;chtlingen &#8222;vor&uuml;bergehende Herberge&#8220;, einen &#8222;sicheren Platz&#8220; oder eine entsprechende &#8222;Patenschaft&#8220; gew&auml;hren k&ouml;nnen. <br \/>Fl&uuml;chtlinge sind f&uuml;r uns keine Randgruppe, sondern bei uns und mit uns lebende Menschen, mit denen wir uns zusammen f&uuml;r eine gemeinsame Zukunft ohne Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Rechtsradikalismus und Intoleranz einsetzen wollen.\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Ein Satz hat mich von Anfang des Kirchenasyl bis heute begleitet, ich stelle ihn hier an den Schlu&szlig; unserer Rede. Auf franz&ouml;sisch hei&szlig;t er: &#8222;Quelqu&#8217;un, qui lutte, peut perdre. Quelqu&#8217;un qui ne lutte pas, a d&eacute;ja&nbsp; perdu.&#8220; Und auf deutsch: &#8222;Wer k&auml;mpft kann verlieren, wer nicht k&auml;mpft, hat schon verloren.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><i>Vortrag der Rede: Gotthold Streitberger (Mitglied BI Asyl) <br \/><\/i><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><a href=\"http:\/\/suedbayern.humanistische-union.de\/preis_aufrechter_gang\/1996\/rede_der_preistraeger\/\">Nach oben<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>04.12.1996 vorgetragen von Gotthold Streitberger (Mitglied BI Asyl) &nbsp; Sehr geehrte Damen und Herren, durch die Preisverleihung reiht die Humanistische Union uns, d.h. den Unterst&uuml;tzerkreis Regensburger Kirchenasyl, die Kirchenasyl gew&auml;hrenden Gemeinden und die gesamte Kirchenasylbewegung ein in eine Reihe von namhaften Frauen und M&auml;nner, die den aufrechten Gang repr&auml;sentieren. 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