{"id":1542,"date":"1977-04-15T12:00:00","date_gmt":"1977-04-15T11:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/suedbayern.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/stellungnahme-der-humanistischen-union-zum-ausbau-der-kernkrafttechnologie\/"},"modified":"2021-08-28T20:55:35","modified_gmt":"2021-08-28T18:55:35","slug":"stellungnahme-der-humanistischen-union-zum-ausbau-der-kernkrafttechnologie","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/suedbayern.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/stellungnahme-der-humanistischen-union-zum-ausbau-der-kernkrafttechnologie\/","title":{"rendered":"Stellungnahme der Humanistischen Union zum Ausbau der Kernkrafttechnologie"},"content":{"rendered":"<p>Die Aspekte der \u00f6ffentlichen Auseinandersetzungen um den Bau von Kernkraftwerken sind vielf\u00e4ltig. Da sie unvergleichbar weitreichende Grundsatzfragen ber\u00fchren, liegt ihre Emotionalisierung, die die Unterscheidung zwischen echten und vorgeschobenen Argumenten erschwert, nahe. Die Humanistische Union, die sich als B\u00fcrgerrechtsorganisation versteht, legt im Folgenden eine Stellungnahme zu den wichtigsten, die Nutzung von Kernkraftenergie betreffenden, Fragen vor. Sie hofft, mit ihr zur Versachlichung der Diskussion beizutragen. <br \/>Die unter den Punkten 1-6 aufgef\u00fchrten Bedenken arbeitete ein Professor f\u00fcr Kernphysik f\u00fcr den Bundesvorstand der Humanistischen Union aus, der er als Mitglied angeh\u00f6rt.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"1_Frage_der_Betriebssicherheit_von_Reaktoren\">1) Frage der Betriebs&shy;si&shy;cher&shy;heit von Reaktoren.<\/span><\/h2>\n<p>Es ist unbestreitbar, da\u00df Kernreaktoren keine Atombomben darstellen, die absichtlich oder unabsichtlich zur Explosion gebracht werden k\u00f6nnten. Es ist ebenfalls unbestritten, da\u00df die bisher bekannt gewordenen Betriebsunf\u00e4lle von einer Natur sind, wie sie in nichtnuklearen Anlagen vergleichbarer Gr\u00f6\u00dfe wesentlich h\u00e4ufiger vorkommen, ohne Aufsehen zu erregen. Au\u00dferdem scheinen zus\u00e4tzliche Anforderungen an die Betriebssicherheit technisch erf\u00fcllbar. Allerdings w\u00fcrden sie die bisherigen Rentabilit\u00e4tsrechnungen wesentlich belasten. Dabei darf man aber nicht untersch\u00e4tzen, da\u00df hergebrachte Kriterien f\u00fcr die Betriebssicherheit nicht ausreichen k\u00f6nnen, weil hier die Unfallfolgen eine v\u00f6llig andere Dimension erreichen w\u00fcrden. W\u00e4hrend bei nichtnuklearen Katastrophen die Sch\u00e4den in relativ kurzer Zeit behoben werden k\u00f6nnen, ein hinreichend kleines Katastrophenrisiko also m\u00f6glicherweise zu tolerieren w\u00e4re, besteht bei nuklearen Unf\u00e4llen die Aussicht, da\u00df ganze Landstriche auf wenigstens 50 Jahre unbewohnbar werden. &#8211; Der Vorfall von Seveso w\u00e4re demgegen\u00fcber eine harmlose Bagatelle. &#8211; Aber auch kleinere Unf\u00e4lle ohne nennenswerte materielle Sch\u00e4digungen bergen in sich das Risiko einer nicht zu untersch\u00e4tzenden psychologischen Wirkung in der \u00d6ffentlichkeit, die durch Geheimhaltungsversuche seitens der Verantwortlichen noch versch\u00e4rft wird. Dieser Situation mu\u00df auch f\u00fcr die Zukunft Rechnung getragen werden, da sie sich voraussichtlich nicht \u00e4ndern wird.<\/p>\n<p>Es ist also zu fordern: da\u00df die Betriebssicherheitsfragen auf einer technologischen Ebene diskutiert werden, die weit \u00fcber den Anforderungen an nichtnukleare Industriebetriebe liegt.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"2_Frage_der_Strahlenbelastung_durch_Reaktoren\">2) Frage der Strah&shy;len&shy;be&shy;las&shy;tung durch Reaktoren.<\/span><\/h2>\n<p>Obwohl die Absch\u00e4tzung der radioaktiven Belastung der Umwelt nicht unproblematisch ist, scheint sicher zu sein, da\u00df die zus\u00e4tzliche Belastung durch Kernreaktoren im bisher projektierten Ausma\u00df etwa 2 % der Belastung durch akzeptierte Technologien (z. B. R\u00f6ntgendiagnostik) darstellen w\u00fcrde, die wiederum ihrerseits etwa 50 % der nat\u00fcrlichen Belastung (z. B. kosmische Strahlung) von 110 mrem\/Jahr erreicht. Die Beurteilung der Gef\u00e4hrlichkeit dieser zus\u00e4tzlichen radioaktiven Belastung ist nicht ohne weiteres m\u00f6glich. Man kann im Extremfall die Meinung vertreten, da\u00df jede noch so geringe Erh\u00f6hung des Strahlenniveaus m\u00f6glicherweise gef\u00e4hrliche Konsequenzen haben kann. Aber da z. B. die nat\u00fcrliche Strahlenbelastung keineswegs konstant ist, w\u00fcrde daraus folgen, da\u00df die ganze Menschheit auch ohne Kernkraftwerke st\u00e4ndig am Rande der Katastrophe lebt. Der Hinweis auf die zus\u00e4tzliche Strahlenbelastung ist daher als Gegenargument wenig \u00fcberzeugend.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"3_Umweltschutzfragen\">3) Umwelt&shy;schutz&shy;fra&shy;gen.<\/span><\/h2>\n<p>a) Radioaktivit\u00e4tslagerung.<br \/>\u00a0<br \/>Dieses Problem scheint wissenschaftlich keineswegs so klar beantwortet, wie in der aktuellen Diskussion oft behauptet wird (z. B. ist das Verhalten von eingeglasten hochaktiven Substanzen \u00fcber Jahrhunderte hinweg heute selbstverst\u00e4ndlich noch unbekannt). Sicherlich ist zuzugeben, da\u00df bei einem normalen Betrieb der Deponien wahrscheinlich keine unmittelbaren Gefahren zu bef\u00fcrchten sind, auch nicht f\u00fcr die angrenzenden Bewohner des Gebiets. Die Bedenken st\u00fctzen sich in diesem Fall auf die Unm\u00f6glichkeit, die langfristigen, \u00fcber Jahrtausende sich hinziehenden Entwicklungen heute abzusch\u00e4tzen, da hierzu niemandes Kenntnisse und Vorstellungsverm\u00f6gen ausreichen. Hier handelt es sich damit um ein Risiko-Arsenal f\u00fcr die uns nachfolgenden Generationen, das nicht zu verantworten ist. Jede akzeptable L\u00f6sung des Energieproblems mu\u00df ohne eine solche Hypothek auskommen.<\/p>\n<p>b) Sicherheitsrisiken.<\/p>\n<p>Als Potential f\u00fcr kriminelle Akte aller Art w\u00e4ren die Deponien sowie der Antransport des radioaktiven Materials \u00fcber dem Landweg eine st\u00e4ndige Bedrohung. Jede gro\u00dfe Aufbereitungsanlage, die zur Abscheidung des noch verwertbaren Brennstoffs den Deponien vorgelagert sein soll, w\u00fcrde im Normalbetrieb etwa 20 t Plutonium beherbergen. Das entspricht der Grundsubstanz f\u00fcr etwa 1000 Atombomben vom Hiroshima-Typ. Der Bau, auch ineffizienter Kernsprengs\u00e4tze, mit entsprechend primitiver Technologie, w\u00fcrde f\u00fcr jedermann m\u00f6glich sein. Auch wenn er sich in den Besitz nur eines Bruchteils dieser Menge bringt (notfalls \u00fcber l\u00e4ngere Frist in kleinen Portionen), deren Fehlen zun\u00e4chst nicht bemerkt w\u00fcrde.<\/p>\n<p>c) W\u00e4rmebelastung.<\/p>\n<p>Dieses Problem ist sehr allgemein und betrifft nicht allein die Kernspaltungsreaktoren. Eine ungehinderte Zunahme der Energieproduktion ist h\u00f6chstwahrscheinlich gef\u00e4hrlich, da sich das meteorologische Gesamtsystem der Erdoberfl\u00e4che vermutlich in einem labilen Gleichgewicht befindet. Die Kernkraft als Dauerl\u00f6sung \u00fcber Jahrhunderte hinweg ist daher nicht vertretbar und wird auch von ihren Verteidigern in der Regel nicht angestrebt. Derselbe Vorbehalt gilt jedoch auch f\u00fcr Fusionsreaktoren, die als Dauerl\u00f6sung angezielt werden und ebenfalls ein Vielfaches der produzierten Nutzenergie als Abw\u00e4rme erzeugen w\u00fcrden. Es gilt bereits heute als unbestritten, da\u00df dauerhafte Methoden der Energieversorgung keine wesentlich weiter zunehmende Abfallw\u00e4rme produzieren d\u00fcrfen, die an die Umwelt abgegeben wird.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"4_Alternativloesungen\">4) Alter&shy;na&shy;tiv&shy;l&ouml;&shy;sun&shy;gen.<\/span><\/h2>\n<p>a) Energieersparnis.<\/p>\n<p>Da eine Erzeugung verwertbarer Energie ohne die gleichzeitige Produktion von Abfallw\u00e4rme nach den Gesetzen der Thermodynamik nicht m\u00f6glich ist, folgt aus der Schlu\u00dfbemerkung des letzten Absatzes die unabweisbare Forderung nach praktikableren Methoden der Wachstumsbeschr\u00e4nkung im Energieverbrauch. Die jetzigen Wachstumsprognosen lauten auf 4-5 % pro Jahr bis zum Jahre 2000. Dabei kann weder die Entwicklung des Energiebewu\u00dftseins, noch die Wirkung eventueller energiepolitischer Steuerungsma\u00dfnahmen abgesch\u00e4tzt werden. Dennoch sind gerade hier noch sehr naheliegende Sparm\u00f6glichkeiten ungenutzt &#8211; z. B. der allm\u00e4hliche Abbau des Anreizsystems der Preisnachl\u00e4sse f\u00fcr Energiegro\u00dfverbraucher. Dar\u00fcber hinaus sollten alle Versuche unterst\u00fctzt werden, die das Gesamtgebiet unserer Technologie (Hausbau, industrielle Fertigungsmethoden, Verkehr) systematisch auf weitere brachliegende M\u00f6glichkeiten zur Energieersparnis \u00fcberpr\u00fcfen. Eine gro\u00dfangelegte weitere Zunahme der Forschungsf\u00f6rderung auf diesem Gebiet ist unumg\u00e4nglich. &#8211; Die Voraussagen der Energiel\u00fccke bei einem Stop des Kernkraftausbaus liegen bei etwa 10 % des Bedarfs in den 80er Jahren. Energiebetr\u00e4ge von dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung k\u00f6nnen durch relativ unproblematische Ma\u00dfnahmen durchaus eingespart werden. Auf die Dauer werden allerdings auch sie v\u00f6llig unzureichend sein. Alle Argumente gegen eine Wachstumsbeschr\u00e4nkung des Energieverbrauchs st\u00fctzen sich auf die gegenw\u00e4rtigen Vorstellungen von den Wirtschaftszusammenh\u00e4ngen. Abgesehen von der Tatsache, da\u00df einige Behauptungen widerlegbar sind (z. B. sichert zunehmender Energieverbrauch nicht die Arbeitspl\u00e4tze, sondern vernichtet sie zum Teil durch Automationsf\u00f6rderung) ist es h\u00f6chst gef\u00e4hrlich, die Denkans\u00e4tze durch herk\u00f6mmliche Theorien in einer Frage blockieren zu lassen: deren Bedeutung weit \u00fcber unsere gegenw\u00e4rtige \u00f6konomische wie gesellschaftliche Situation hinausreicht.<\/p>\n<p>b) Ersatzenergiequellen.<\/p>\n<p>Zur bisher das Feld beherrschenden Energieerzeugung durch Kernkraft bzw. Verheizen fossiler Brennstoffe wird bereits eine Reihe Alternativen (Erdw\u00e4rme, Sonnenenergie, Windenergie etc.) diskutiert. Die Erforschung und Entwicklung dieser Alternativen hat erst in j\u00fcngster Zeit einen nennenswerten Aufschwung genommen und k\u00f6nnte durch einen Bruchteil der f\u00fcr den Ausbau der Kernenergie vorhergesehenen Investitionsmittel entscheidend gef\u00f6rdert werden. Dabei m\u00fc\u00dfte vermieden werden, nur nach einer einzigen Ersatzquelle von ausreichender Ergiebigkeit f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Energieversorgung zu suchen. Es w\u00e4re sehr wohl m\u00f6glich, den Energiebedarf der Zukunft aus einer Vielzahl verschiedener, den einzelnen Problemen weitgehend angepa\u00dfter Energiequellen zu decken. Bis diese Alternativen im gro\u00dfen Rahmen eingesetzt werden k\u00f6nnen, werden voraussichtlich Jahrzehnte vergehen. Doch w\u00e4hrend dieser Zeit sind ohnehin keine Energieprobleme zu erwarten, die nur von den jetzt geplanten Kernkraftwerken gel\u00f6st werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>c) Verbesserung der herk\u00f6mmlichen Energieerzeugung.<\/p>\n<p>Alle Sch\u00e4tzungen zeigen, da\u00df dieser Zeitraum bis etwa zum Jahre 2000 mit den vorhandenen fossilen Brennstoffvorr\u00e4ten (Kohle, Erdgas, Erd\u00f6l) durch den Bau weiterer konventioneller Kraftwerke \u00fcberbr\u00fcckt werden kann. Die ebenfalls ernst zu nehmenden Verschmutzungsprobleme herk\u00f6mmlicher Kraftwerke m\u00fc\u00dften und k\u00f6nnten durch Verbesserung der Technologie (Abgasfilter, Luftk\u00fchlung etc.) in ertr\u00e4glichem Rahmen gehalten werden. Auch hier w\u00fcrde nur ein Bruchteil der vorgesehenen Kernenergieinvestitionen schon ausreichen. Die sich dadurch ergebende Verteuerung der Energieproduktion aus konventionellen Kraftwerken ist nur ein Ausdruck ihres echten Wertes, der der \u00d6ffentlichkeit bewu\u00dft gemacht werden m\u00fc\u00dfte. Zweifellos w\u00fcrde das den Trend zum sparsamen Energieverbrauch verst\u00e4rken.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"5_Rentabilitaetsfragen\">5) Renta&shy;bi&shy;li&shy;t&auml;ts&shy;fra&shy;gen.<\/span><\/h2>\n<p>Die gesamten Sicherheitsauflagen, die eine tolerable Kernenergieerzeugung gro\u00dfen Stils zu erf\u00fcllen h\u00e4tte, sind noch nicht absehbar, insbesondere nicht im Hinblick auf das Deponieproblem. Alle existierenden Rentabilit\u00e4tsrechnungen m\u00fcssen also unvollst\u00e4ndig sein &#8211; zudem wenn man fordert, da\u00df die herk\u00f6mmlichen Nutzen-Kosten-Definitionen durch Hinzunahme der bisher der Allgemeinheit \u00fcberlassenen Folgekosten erweitert werden. Dar\u00fcber hinaus ist die Hoffnung, durch einen Ausbau der Kernspaltungsreaktoren etwaigen neuen Pressionen der Energierohstofflieferanten entgehen zu k\u00f6nnen, tr\u00fcgerisch. Uran ist keineswegs im \u00dcberfluss vorhanden und zum gr\u00f6\u00dften Teil im Besitz von heutigen Entwicklungsl\u00e4ndern. Die \u00dcberlegung schlie\u00dflich, da\u00df man es sich nicht leisten k\u00f6nne, bei einer Umkehrung der bisherigen Entwicklung die inzwischen investierten Milliardenbetr\u00e4ge zu verlieren, ist schon durch die Heranziehung von Beispielen aus der Milit\u00e4rtechnologie zu entkr\u00e4ften. Dort ist man an das Ziehen solcher verlustreichen Schlu\u00dfstriche gew\u00f6hnt, ohne da\u00df der durch die betreffende Fehlentwicklung entstandene volkswirtschaftliche Schaden Anla\u00df zu erregten Auseinandersetzungen geben w\u00fcrde.\u00a0<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"6_Der_politische_Charakter_der_gegenwaertigen_Auseinandersetzung\">6) Der politische Charakter der gegen&shy;w&auml;r&shy;tigen Ausein&shy;an&shy;der&shy;set&shy;zung.<\/span><\/h2>\n<p>Die zur Entscheidung stehenden Probleme zur Nutzung der Kernkraft sind \u00fcber das bisher Gewohnte und Bekannte hinaus tief- und weitreichend. Zus\u00e4tzlich zu den in den \u00f6ffentlichen Auseinandersetzungen im Vordergrund stehenden \u00f6kologischen Gef\u00e4hrdungen und \u00f6konomischen wie technologischen Aspekten haben die Ereignisse um den &#8222;Fall Traube&#8220; eine weitere Problematik von elementarer Bedeutung ins Bewu\u00dftsein ger\u00fcckt: die Gef\u00e4hrdung der Grundrechte des B\u00fcrgers durch den Sicherheitsanspruch einer Gesellschaft, die von Atomenergie abh\u00e4ngt. Obwohl die Zahl der betriebenen Reaktoren und damit die Gefahrenmomente bisher noch relativ gering sind, hat die Reaktion der Staatsschutzbeh\u00f6rden in einem Fall, der sich als fiktive Gef\u00e4hrdung erwies, bereits alle Bef\u00fcrchtungen \u00fcbertroffen. Im Gegensatz zu der Beteuerung, da\u00df die Sicherheit von Atomkraftwerken gew\u00e4hrleistet sei, hat man \u00fcbereifrig in einem sogenannten &#8222;\u00fcbergesetzlichen Notstand&#8220; reagiert, der den Verdacht best\u00e4tigte: da\u00df sich die Staatsorgane schon heute auf einen st\u00e4ndig relevanten Alarmzustand eingestellt haben, der die Au\u00dferkraftsetzung verfassungsm\u00e4\u00dfiger B\u00fcrgerrechte gewisserma\u00dfen als Dauerauftrag rechtfertigt. Sollten die Ausbaupl\u00e4ne f\u00fcr die Atomenergie Wirklichkeit werden, so w\u00fcrden der in der Bundesrepublik ohnehin prinzipiellen Bereitschaft zu weitgehenden Polizei- und Staatsschutzkontrollen weitere un\u00fcberpr\u00fcfbare Anl\u00e4sse in die Hand gegeben und ein Mechanismus in Gang gesetzt, der unantastbare Verfassungsgarantien f\u00fcr den einzelnen B\u00fcrger zur Farce pervertiert &#8211; unter Hinweis auf das Schutzbed\u00fcrfnis der Gesellschaft. Selbst wenn sich einige der oben aufgef\u00fchrten technischen Bedenken als zu pessimistisch erweisen sollten, die mit dem Ausbau der Atomkraftwerke verbundenen politischen Bef\u00fcrchtungen und Konsequenzen werden mit h\u00f6chster Wahrscheinlichkeit nicht entsch\u00e4rft werden k\u00f6nnen. In einer von Atomenergie abh\u00e4ngigen Gesellschaft ist ein \u00dcberhandnehmen von in Grauzonen agierenden staatlichen und privaten Polizei- und Aufkl\u00e4rungsorganisationen zu erwarten, das allen liberalen Zielen und Rechten einer Gesellschaft ein Ende setzt.<br \/>\u00a0<br \/>Durch die Ablehnung weiterer Atomkraftpl\u00e4ne ein solches Ende zu verhindern, halten wir daher f\u00fcr die schwerwiegendste Herausforderung dieses Jahrhunderts an alle politisch bewu\u00dften Bewohner dieses Landes.<br \/>\u00a0<br \/>Humanistische Union <br \/>Dr. Charlotte Maack <br \/>Vorsitzende\u00a0\u00a0<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[262,266],"tags":[29,295,31,176],"autoren":[251],"publikationen":[],"class_list":["post-1542","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","category-datenschutz","category-innere-sicherheit","tag-datenschutz","tag-flugblatt","tag-innere-sicherheit","tag-muenchen-artikel","autoren-prof-dr-wilhelm-hering"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Stellungnahme der Humanistischen Union zum Ausbau der Kernkrafttechnologie - HU Bayern<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/suedbayern.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/stellungnahme-der-humanistischen-union-zum-ausbau-der-kernkrafttechnologie\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Stellungnahme der Humanistischen Union zum Ausbau der Kernkrafttechnologie - HU Bayern\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Die Aspekte der \u00f6ffentlichen Auseinandersetzungen um den Bau von Kernkraftwerken sind vielf\u00e4ltig. 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