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Begrüßung

Dem Baierischen Diatonischen Jodelwahnsinn sei Dank für diese aufmunternden Diatöne, die uns offensichtlich in die richtige Stimmung versetzt haben, um nun auch den ernsteren Teil des Abends zu beginnen.
Zuvor aber als Dank eine Flasche Gurgel- und Fingeröl, durch den Magen einzunehmen, für viele weitere Auftritte auf der öffentlichen Bühne, zum Mißfallen der Obrigkeit. Hoffentlich!

Liebe Freunde und Mitglieder der Humanistischen Union, verehrte Gäste!
Ich begrüße Sie recht herzlich zur Verleihung des Preises Aufrechter Gang an Anneliese und Dr. Klaus Lintzmeyer aus Irschenberg. Dieser Preis wird alljährlich von der Humanistischen Union in Bayern vergeben, und wir sind dem Verein der Seidlvilla wirklich sehr dankbar dafür, daß er uns für die Zeremonie der Preisverleihung immer wieder diesen schönen Rahmen zur Verfügung stellt.
Viele von Ihnen sind vermutlich nicht zum ersten Mal bei einer Preisvergabe anwesend. Aber für diejenigen unter Ihnen, die bisher noch nicht dabei waren, möchte ich die HU, die Stifterin des Preises, ganz kurz vorstellen:
Sie hat als Organisation das Ziel, die Einhaltung der gesellschaftlichen und persönlichen Bürgerrechte aufmerksam zu beobachten, so wie sie in unserer Verfassung und den damit konformen Gesetzen garantiert sind. Sie bezeichnet sich daher als Bürgerrechtsorganisation, und ist 1961 in München auf Anregung des Publizisten Gerhard Szczesny gegründet worden. Damals, zur Hochzeit der Nachkriegsrestauration in der BRD, fanden sich Menschen aus einem breiten Spektrum der Bevölkerung zusammen unter dem Motto "Befreiung des Menschen aus den Fesseln klerikaler und obrigkeitsstaatlicher Bindungen" Bevormundungen wäre heute vielleicht der treffendere Ausdruck.

Obwohl die heutige Situation nicht mehr mit damals vergleichbar ist kann man keinesfalls sagen, das damalige Anliegen sei in den vergangenen 40 Jahren ausreichend erfüllt worden. Lediglich die Form der Bevormundungen hat sich teilweise gewandelt und neue Arten sind hinzugekommen in denen sich die ungerechtfertigten Zwänge vollziehen, gegen die der Bürger ein Recht zur Verweigerung hat (das er aber heute meist mit größerem Selbstbewußtsein vertritt als damals, dank der 68er Revolte).
Dieser Wandel spiegelt sich in der Auswahl der Preisträger des AG wieder, mit der die HU seit 1988 bestrebt war, exemplarische Fälle eines Aufrechten Ganges auszuzeichnen. Die Dokumentation an den Wänden gibt einen Überblick, den Sie im Laufe des Abends anschauen und auf sich wirken lassen können.

M.D.uH.: Der Aufrechte Gang war für die Preisträger stets mit großen Schwierigkeiten verbunden, die sie auf sich genommen haben, weil sie von der Richtigkeit ihrer Absichten überzeugt waren und sich deshalb nicht einschüchtern ließen. Diese Schwierigkeiten kamen teils von der Obrigkeit und ihren Organen her, teils aus der nachbarschaftlichen Umgebung, wie im Falle der Familie Obermeier, der Preisträger des letzten Jahres. Aber auch ohne direkte Einwirkung von Außen verlangt jeder Aufrechte Gang ein hohes Maß an Zeit, Geld und Energie und vermutlich gibt es auch eine ganze Reihe bayerischer Mitbürger, die uns nicht bekannt sind, deren Aufrechter Gang aber ebenfalls einen Preis verdient hätte. Wir möchten, daß sie sich heute Abend ebenfalls geehrt fühlen.
 
M.D.uH.: Heute zeichnen wir Anneliese und Dr. Klaus Lintzmeyer aus. Sie setzen sich seit Jahrzehnten für den Schutz von Natur und Umwelt in ihrer oberbayerischen Heimat ein, ein großes Thema, nicht nur in Oberbayern, das sicher noch Gegenstand der folgenden Laudatio sein wird. Die HU hat den letzten dieser Kämpfe der Lintzmeyers, gegen den umstrittenen Bau der McDonalds Autobahn-Raststätte am Irschenberg, zum Anlaß für die heutige Preisverleihung genommen, denn in dieser Auseinandersetzung sehen wir ein Musterbeispiel für die staatliche Mißachtung gesetzlicher Vorschriften zugunsten wirtschaftlicher Einzel- und Gruppeninteressen, deren Billigung bis in die obersten Etagen der bayerischen Landesregierung zurückverfolgt werden kann. Es ist ein Musterbeispiel für Vorgänge, wie sie sicher nicht nur in Bayern vorkommen, aber hier sind wir für solche Dinge wohl besonders hellhörig geworden.

Das zeigt sich auch in der Tatsache, daß kürzlich ein weiterer AG nach Bayern vergeben wurde: Wie aufmerksame SZ-Leser bemerkt haben, ist der leitende Redakteur der Zeitung, Hans Leyendecker, von den Grünen in NRW mit einem Preis gleichen Namens (AG) für seine Rolle bei der Aufdeckung der Schwarzkontenaffäre ausgezeichnet worden. Wir in der HU haben uns darüber sehr gefreut und finden, daß in der Bundesrepublik möglichst viele AG Preise verliehen werden sollten, um - wie es in unserer Preisbeschreibung heißt- diejenigen zu belohnen, die mit ihrem Beispiel andern Menschen Mut machen, für ihre eigenen Rechte einzutreten - oder auch für die anderer, die sich selbst nicht helfen können um so an einer lebendigen politischen Zukunft mit zu arbeiten.
Das ist wohl leider gerade heute dringend nötig.

M.D.uH. ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit, wünsche uns allen eine schönen Abend und gebe nun das Wort an den Laudator der Preisträger, Herr Steininger vom BN Bayern.

Prof. Dr. Wilhelm Tim Hering, HUMANISTISCHE UNION MÜNCHEN

 

Weitere Informationen:

Festakt

Laudatio von Helmut Steininger

Reden von Anneliese und Dr. Klaus Lintzmeyer

Ankündigung und Begründung der Preisverleihung